Unternehmen, sich wahnsinnig zu stellen, erklären mag, jedenfallsliegt darin ein gewisser Trotz gegen das Schicksal, eine Herans-forderung aller möglichen Folgen; er weiß, daß er auf unter-höhlten? Boden wandelt, aber er wandelt auf dem gefahrvollenWeg fort bis ans Ende, Ebenso ist schon der Amleth der Sagekein ruhig bleibender, zurückgezogener, einsamer Mensch, wieBrutus oder Tell, sondern mit einer Art nordischer Tapferkeitund Todesverachtung begiebt er sich mitten in das Treiben desHofes, reizt geflissentlich die Neugierde der Aufpasser und weißsie doch schließlich auf eine falsche Fährte zu locken. Vorsichtund Keckheit sind bei Beiden merkwürdig verbunden. Man kannnicht mit Bischer sagen, die alte Sage widerspreche sich selbst;sie wolle verborgenen Tiefsinn schildern und denke nicht daran,daß sie ihren Helden zweckwidrig handeln lasse, indem er ihnverrathe. Die alte Sage hat vielmehr eine innerliche Freudean dem Spiel, das der vermeintliche Tölpel mit seinen stärkerenGegnern spielt; sie spannt den Gegensatz zwischen Beiden ab-sichtlich aufs höchste; sie weiß ja überdies mit ihrem Helden,daß von Anfang an dem Mörder und seinem Anhang Tod undVerderben bereitet ist, mag auch die Strafe lange auf sichwarten lassen. Amleth ist wie Chriemhild, wie der Germaneüberhaupt „lancräche"; erträgt die Rache lange in sich herum,lacht innerlich die Feinde aus, und plötzlich ist das Rachewerkvollendet.
Fengo glaubt ebensowenig als Shakespeares Claudius anden Wahnsinn Amleths. Er stiftet daher ein Mädchen an,daß sie vertrauten Umgang mit Amleth suche und dabei er-forsche, ob der Wahnsinn wirklich oder versteckt sei. DasMädchen, aus dem bei Shakespeare Ophelia geworden ist,verräth nichts. Fengo schlägt nun einen anderen Weg ein.Seine Mutter muß während der angeblichen Abwesenheit ihresGemahls ihn ausforschen, wobei ein Höfling ihn belauscht, aber
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