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Shakespeares Hamlet, Prinz von Dänemark
Entstehung
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nämlich, wenn er blind wagherzig gewesen wäre, ebenfalls so-gleich nach der Ermordung seines Vaters einen Anhang nm sichsammeln und den König tödten oder doch absetzen und aus demReiche vertreiben können. Aber das Aufschieben und Zaudernvon Shakespeares Hamlet finden wir schon in dem geistig ge-sunden Hamlet der Sage vorgebildet, Amleth, wie er in derSage heißt, stellt sich wahnsinnig; denn, wie er zu seiner Mutterspäter sagt, er weiß, daß sein Oheim, der Amleths Vater ge-mordet, auch vor der Ermordung des Neffen nicht zurückscheuenwerde, dessen Rache er fürchten müsse, weit sie von der Naturgeboten erscheine,Und Rache will ich auch nehmen und ineinem Maße, wie sie in diesem Lande bis jetzt nicht erhörtworden ist wenn schon ich die Zeit und die Gelegenheitdazu erst noch reifen lassen muß." Freilich ist zwischen demAmleth der Sage, der nichts von Philosophie und Pessimismusweiß und dem melancholisch-verrückten, geistreich philosophirendenDänenprinzen Shakespeares ein großer Unterschied. Aber mandarf diesen Unterschied nicht übertreiben. Die Hamletsage istnicht so roh und dürftig, wie sie oft genannt wird; sie verdientdiese Verachtung so wenig oder noch weniger, als die Sagenvon Brutus und Dell.' Der Amleth der Sage zeigt einenkünstlich verschlungenen Charakter, Brutus gilt allgemein fürdumm; hinter Amleths Treiben wittern schärfere Beobachterberechnende Verschmitztheit. Brutus enthüllt sein wahres Wesenerst beim Eintreten der Katastrophe; Amleth und Hamlet legendie Maske der Geistesstörung, nachdem sie dieselbe, wie um ihreUmgebung zu necken, von Zeit zu Zeit gelüftet hatten, einmalin vollem Ernste ganz ab, nämlich im Alleinsein mit der Mutter,und zwar thun sie dies nicht aus Rache oder aus Uebermnth,sondern aus gekränktem Sittlichkeitsgefühl, Die zweideutigen,finnvoll unsinnigen Räthsel, die der Held aussprudelt, warenfür den nordischen Geschmack ein Hauptreiz. Wie man Hamletsc?ss)