Druckschrift 
Festschrift für die fünfzigjährigen Jubelfeier der Forstakademie Eberswalde
Entstehung
Seite
132
Einzelbild herunterladen
 

132

werthen Folgen begleitet, auch ihre Massenvermehrung als solche, hat, wie bereits obenangedeutet, eine übergrosse Menge von Raubinsecten und Parasiten entstehen lassen,und deren Arbeit griff schliesslich nach Niederwerfung des nächsten Feindes auch inandere verwandte Kreise über und bot uns so ein zweites hochinteressantes Bild vonden Folgen jener Calamität.

Die Folgen der in Frage stehenden Massenvermehrung theilen sich demnach inz wei Gruppen, in solche für die Vegetation und in solche für das Thierleben, odermit anderen Worten, in Beantwortung der Fragen, was hat der Frass der Nonnen-raupen den Holzpflanzen geschadet und was haben die als Gegengewicht gegen dieNonne auftretenden Thiere genutzt.

1. Folgen der Massenvermelirung (1er Nonne für die befallenen Holzpflanzen.

Die von der Nonnenraupe befallenen Holzpflanzen sind entweder solche, an denensie entstanden, oder solche, auf welche sie verwehet ist. Den Frass an den ersterenkann man passend mit Primärfrass, an den anderen mit Secundärfrass bezeichnen.Die Wirkung beider ist sehr verschieden. Die Raupen, welche an einem Stamme ent-stehen, müssen bekanntlich zu ihrer Nahrung emporklettern, gelangen auf diesem Wegezunächst an die unteren Aeste und Zweige und nur nach Entnadelung dieser langsamallmälig bis in die Spitze. Ist die relative Anzahl der Raupen nicht ganz bedeutend,so bleiben schliesslich die höchsten Zweige, wenigstens Triebe oder Knospen verschont.Ein solcher Primärfrass tritt bei der Kiefer nur im Alt holze und in den Stangen-orten auf, da die Nonne ihre Eier nur an die Stämme dieser Altersstufen ablegt.Die aufgewehten jungen Raupen dagegen gelangen umgekehrt sofort an die Spitzen derPflanzen, gar oft durch einen als Luftsegel dienenden Spinnfaden gehalten. Hier alsowerden die jüngsten Bildungen, die Maitriebe und Terminalknospen zunächst angegriffenund' sehr oft gänzlich zerstört. Dieser Frass muss folglich weit verhängnissvollerwirken. Ihm stark ausgesetzt sind in den befallenen Beständen alles Mischholz, allerUnterwuchs und Unterbau, und in der Nähe derselben bis auf eine Entfernung vonoft mehreren 100 Schritten die Schonungen, Culturen, Pflanzkämpe, Pflanz-und Saatbeete.

Unsere Frage nach den Folgen des Nonnenfrasses für die befallenen Holzpflanzenspaltet sich folglich nach jenen beiden Kategorien in zwei Haupt- und diese in eineMenge von Unter-Fragen. Zur grösseren Sicherheit in der Beantwortung derselbenhat die hiesige Hauptstation des forstlichen Versuchswesens die Herren Revier Verwalterin den beiden Regierungsbezirken Potsdam und Stettin unter Uebermittelung einesbetreffenden Fragebogens zu einer entsprechenden Berichterstattung auffordern lassen.Die Verhältnisse dieser Reviere sind ja mit den hiesigen im Grossen und Ganzen gleich.