44
Wilhelms Gymnasium zu Berlin mit dem Zeugnisse der Reife entlassen, studirte1865/1867 auf der Universität Berlin Rechts- und Staatswissenschaften, war 1867/1868in der Lehre des Forst- und Jagdwesens hei den Oberförstern Donner in Schleusinger-Neun dorf und Deckert in Schleusingen, studirte von Ostern 1868 bis dahin 1870 zweiSemester auf der Forstakademie Eberswalde, zwei Semester auf der ForstakademieMünden, bestand 1870 das forstliche Tentamen, 1873 das Oberförster-Examen, war alsHülfsarbeiter 1873 bei dem Finanzministerium, 1873 bis 1877 bei der Regierung inMagdeburg, 1877/1878 bei der Hauptstation für forstliches Yersuchswesen beschäftigt,wurde im Juni 1878 zum Oberförster ernannt und gehört seit dem 1. October 1878als Dirigent der forstlichen Abtheilung des Yersuchswesens und als Lehrer der Forst-wissenschaften der Forstakademie Eberswalde an.
Herausgegeben sind von ihm
1878: die Taxation des Mittelwaldes,
1880: Ertragstafel für die Kiefer.
Julius Theodor Ratzeburg'). Ratzeburg und Pfeil waren das Doppelgestirn,welches durch den Glanz seines Wissens und Schaffens den Ruf der EberswalderSchule begründet hat.
Ratzeburg wurde am 16. Februar 1801 zu Berlin geboren, auf dem Gymnasiumzum grauen Kloster in Berlin in die Schulwissenschaften eingeführt, studirte von 1821ab auf der Universität Berlin Medicin, promovirte daselbst 1825, erwarb 1826 dieQualifikation zum ärztlichen Beruf, wandte sich indessen der wissenschaftlichen Lauf-bahn zu, bestieg 1828 als Privatdocent der Universität Berlin den Lehrstuhl, wurde1830 als Lehrer der forstlichen Naturwissenschaften nach Eberswalde berufen, hierdurch Cab.-Ordre vom 3. Juli 1831 zum Professor ernannt, lehnte 1836 die ihm an-gebotene Stelle als Professor der Naturwissenschaften bei dem Collegium Carolinumin Braunschweig ab, wurde 1863 zum Geh. Regierungsrath ernannt, erhielt am 1. Mai1869 die nachgesuchte Entlassung aus dem Staatsdienste, wurde am 24. October 1871nach kurzem Krankenlager in Berlin zu einem besseren Leben abberufen und daselbstauf dem Nicolai-Kirchhofe bestattet. Sein Lehrziel war die Ausbildung von natur-wissenschaftlich gebildeten Forstleuten für den practischen Beruf, sein Forscherzieldie Ausbildung der Naturwissenschaften nach der forstlichen Seite hin. Sein Namewird fortleben in der Geschichte der Wissenschaft, auf allen forstwissenschaftlichenLehrstühlen, bei jedem gebildeten Forstmann. Eine stattliche Reihe von Werken giebtZeugniss von dem Fleisse und der Fruchtbarkeit seines literarischen Schaffens. Ratzeburgveröffentlichte an selbständigen Werken:
1829. Untersuchungen über Formen und Zahlen-Yerhältnisse der Naturkörper;
') S. dessen Nekrolog in Danckelmann's Zeitschrift für Forst- und Jagdwesen. IV. Band S. 307.