Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
92
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sich bei Zeiten in ein Dickicht gedrückt hatten, das zufällig jenseitsder nicht ganz genau bezeichneten Grenzen lag, ist wohl Hansvon Bredow öfters mit seinen Jagdkumpanen auf kurfürstliches Ge-biet «hinübergetreten». Die kurfürstliche Jägerei begann empfind-lich zu werden. Und dieses umsomehr, je barscher Hans den«Gesellen» begegnete, die es wagten, sich ihm in den Weg zustellen. Offene Feindschaft entstand. Eine Art Kriegszustand vonrecht ernstem Charakter, wobei die Nachbaren ihres Lebens nichtmehr sicher waren.

Das hätte wohl eine gute Zeit hingehen können, wenn KurfürstJohann Georg (reg. 1571 — 1598) nicht durch die sonderbare Jagd-behandlung Hansens an seiner empfindlichsten Stelle getroffen wordenwäre. Der Kurfürst war ein leidenschaftlicher Jäger und verstandin allen Dingen, welche die Jagd berührten, keinen Spass. Alsdaher bei der immer schwieriger werdenden Lage an den Grenzendes Bredow'schen Gebietes schliesslich die kurfürstliche Jägerei eineernste Beschwerde bei ihrem gnädigsten Herrn erhoben, machtedieser kurzen Prozess und beauftragte seinen «Futtermarschall»Joachim Brettschneider, Hans von Bredow in «Bestrickung zunehmen». Die «Bestrickung» bestand darin, dass sich der damitBelegte auf Ehrenwort verpflichtete, nicht einen bestimmten Ortzu verlassen. In moderner Form würde es militärisch «Hausarrest»oder « Garnisonsarrest» heissen.

Der Befehl war vom Kurfürsten am 9. Juli 1593 gegeben undder «Futtermarschall» Joachim Brettschneider trabte auf den breitenSandwegen der Berlin-Stettiner Strasse zuvörderst nach Bötzow,(wo im folgenden Jahrhundert das liebliche Lustschloss Oranienburgan den Havelwiesen entstand), rastete daselbst und traf gegen Abendnoch zu guter Stunde und nicht ohne manche Frage nach demrechten Wege, wenn sich zufällig einmal ein Bauer oder ein Flirtzeigte, in Liebenberg ein. Der Herr Futtermarschall wurde miteinem gewissen missmuthigen Respekt von Hans von Bredow em-pfangen, der den kurfürstlichen Befehl seiner « Bestrickung innerhalbLiebenbergs » mit halbem Ohre anhörte und durch sein Wesen HerrnJoachim Brettschneider zu verstehen gab, dass es ihm vor allenDingen lieb sein würde, den kurfürstlichen Futtermarschall nicht langein seinem Hause zu behalten. Wir nehmen an, dass er ihm jedoch