Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
90
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Hans erregt zunächst auch unser besonderes Interesse, weil ersich in Liebenberg niederlässt, dort seine Heimat begründet.Was bisher für Liebenberg geschehen war, bezog sich mehr aufdie Hebung der Landwirthschaft. Wir haben bei Georg (IV) ge-sehen, dass er gegen die Mitte des Jahrhunderts Liebenberg zuseinem Rittersitz erhebt, ohne jedoch daselbst seinen Wohnsitz zunehmen. Hans war dieses vorbehalten; er dürfte wohl — satt vonden mehr als ungemüthlichen Wohnungsverhältnissen in Burg Löwen-berg — den Entschluss gefasst haben, ein neues Heim zu gründen,als er 1580 Margarethe von Arnim, aus dem Hause Schrattberge,als Gattin heimführte. Sie war die Tochter Kaspars von Arnimzu Schrattberge im Kreise Jerichow und der Anna von Trotte ausdem Hause Badingen*), die später Hofmeisterin am Branden-burgischen Hofe wurde und anscheinend vermögend war. Dennwährend der vielen Verlegenheiten, in denen sich nicht nur Hansselbst, sondern auch sein Bruder Hasso und sein LehnsvetterGeorg auf Wagenitz befanden, war sie in der Lage, mit bedeuten-den Summen auszuhelfen.

Wir sagten, dass Hansens Figur uns als Typus des Junkersseiner Zeit interessire. In der That ist seine Gestalt, herausgewachsenaus Zeit und Tradition, eher generell als individuell zu nehmen.Er scheint fast noch mit einem Fusse in der Quitzow'schen Periodeder Mark zu stehen. Kampf und Unterjochung der wendischenEinwohner hat die Rittergeschlechter der Mark hart und eigenwilliggestaltet. Als der Kampf mit dem immerhin noch idealen Ziele,wilde Lande und Menschen der christlichen Kultur zu gewinnen,beendigt war, liess die Kampfgewohnheit die Junker unter sichaufeinanderplatzen. Auflehnung und Fehde lag ihnen im Blut undist sicherlich nicht von ihnen als Sünde oder Unrecht empfundenworden, sondern als Ausfluss «gekränkter Rechte» irgend welcher Art.

Die alte Kultur der Hertefeld's vom Niederrhein, wie sie sichin den Gestalten eines Stephan oder Jobst Gerhard spiegelt, steht

*) Burg Badingen mit Mildenberg, Zabelsdorf und wüste Feldmark Ost-heeren war 1547 von Hansens Vater Jakob und dessen Bruder Abraham an denFeldmarschall Adam von Trotte verkauft, dessen Tochter wohl jene Anna war, dieKaspar von Arnim heirathete. In dem nahe benachbarten Badingen dürfte der jungeHans von Bredow seine Gattin Margarethe kennen gelernt haben.