Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
72
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Die Kolonisation, die Jobst Gerhard vornahm, ist heute nochan den Namen der Bauern in den Landstrichen kenntlich, die zuseinem grossen Gebiete gehörten. Es sind zum Theil dieselbenNamen, die wir auf den cleveschen, zu dem heutigen Hertefeld'schenFideikommiss gehörenden Gütern noch antreffen.

Der hervorragende Mann, der ein so ungewöhnliches Talentfür Organisation im grossartigen Maassstab zeigte und in weiserVoraussicht jeden seiner Schritte that, hatte den Kummer, keinendirekten Erben zu hinterlassen. Seine Ehe blieb kinderlos. Aberer fand in seinem Bruder Georg Wilhelm einen würdigen Nachfolger.

Die Gattin Jobst Gerhard's erlebte nicht den Erwerb Lieben-bergs, d. h. den Abschluss des märkischen Besitzes. Sie starbam Ii. Juni 1649 ( w °hl im Hause Hertefeld) und wurde zu Weezebeigesetzt.

Hingegen war es die greise Mutter Jobst Gerhard's, StephansWittwe, Anna von Utenhoven, welche, erst 1653 das Zeitlichesegnend, nach einem Leben voller Krieg und Sorgen in der Ge-stalt des Sohnes den unermüdlich thätigen und hohen Geist desseligen Gatten fortleben sah und auf die märkische Zukunft desGeschlechtes blickte.

Jobst Gerhard starb am 23. Mai 1663, wohl wie die Gattinin seinem Hause Hertefeld, und wurde bei ihr in der Kirche zuWeeze beigesetzt. Er hinterliess seinem Bruder Georg Wilhelmden gesammten Grundbesitz in Cleve und der Mark, im vollenBestände des noch nicht vom Kurhause eingelösten Pfandes.

Die Nachkommen des ältesten Bruders Jobst Gerhards, ElbertAdrians, bildeten die katholische Linie Hertefeld auf Haus Egernund Antheil Neuland. Später auf Pollowerth und Magerhorst, auchzu Balken. Sie erlischt merkwürdiger Weise fast gleichzeitig mitder protestantischen Linie. Eugenie von Hertefeld, vermählt mitFritz von Nes, Vice-Gouverneur von Holländisch-Indien, stirbt1864 zu Düsseldorf. Karl, der letzte Sprosse der protestantischenHertefeld's, stirbt 1867 zu Liebenberg.

Wir besitzen in einem schönen Gemälde holländischer Schule,das Jobst Gerhard darstellt, in Liebenberg eine würdige Erinnerungan den hervorragenden Mann, dem seine Erben zu so grosserDankbarkeit verpflichtet sind.