Aus diesem Vergleiche vermögen wir Rückschlüsse auf dasSchicksal des Volkes zu machen, dem Jene angehörten. Stephan'sJugend fällt in friedliche gute Zeit. Die hohe Blüthe, in der daswestliche Deutschland, der Niederrhein und Holland, damals standen,gewährt dem jungen Herrn aus edlem Geschlecht eine sorgfältigeErziehung und die Bildung, die sein Leben auszeichnet.
Seine acht Kinder aber sind wahrhaftig in Kampf, Krieg undNoth hineingeboren ! In dem Jahre 1592 hatte Stephan geheirathet,während die Niederländer noch um ihre Freiheit rangen und dasclevesche und geldrische Land den Schauplatz dieser Kämpfebildete, des Zuzugs fremder Heere, Spanier, Franzosen undDeutscher. Mit dem Jahre 1609 beginnt der für das clevescheLand unheilvolle clevesche Erbfolgestreit, an den sich 1618 derdreissigjährige Krieg schliesst! Wie soll die Jugend bei der Unbillder Zeiten, der Noth, Sorge und Gefahr eine Bildung erwerben,wie sie die Eltern besassen? Es ist erstaunlich genug, dass esdem energischen Willen Stephan's gelang, seinen Söhnen über-haupt eine Handschrift und die Fähigkeit beizubringen, sichschriftlich in annehmbaren Formen auszudrücken. Die Söhne desAdels jener Zeit wuchsen, wo Alles in Flammen stand, vonselbst in das Kriegshandwerk hinein. Die väterlichen Schlösser undHöfe lagen, wie diejenigen Stephan's, meist in Trümmer, und es galt,das Leben zu fristen mit den Mitteln, die das Schicksal gewährte.
Stephan's Söhne haben während ihrer Lebenszeit n u r Krieggesehen und seine Gattin hat während ihres langen Lebens Jahraus Jahr ein um das Leben des Gatten und ihrer blühenden Söhnegezittert. Wir werden daher den mangelhaften Styl und die Hand-schrift der Kinder begreifen, und uns dabei einer Analogie erinnern,die uns näher liegt als der dreissigjährige Krieg: Auch die Generationdes preussischen Adels, die während der letzten Jahre des vorigenJahrhunderts geboren, als Kind in die Drangsale der napoleonischenKriege gerieth, vermochte häufig nicht im Laufe ihres Lebens diemangelnde Erziehung und Bildung zu ergänzen, welche unter demgewaltigen Einfluss der Ereignisse Schiffbruch gelitten hatte. . . .Der Wortlaut des Testamentes Stephan's ist folgender:«Also in diesem Jammerthal nichts gewisseres als der Todund auch nichts ungewisseres als dessen Stunde, haben wir, Stephan
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