238
GRAFEN V. Ii UHU.IN RADOLINSKI.
vater Popiels II., des lel/.lcn Regenten aus dem Hause Lech, zeugte mitzwei Frauen 21 Sölme, unter welche er das Reich verlheilte. Derdritte dieser Söhne, Ladislaus Leszek, Herzog in Kasobien, war derStifter des Zweiges des Lechischen Stammes, welcher ausschliesslich denNamen Leszczyc und das Leszczycsche Wappen führt. Was letzteresanlangt, so geht die Sage, dass Lech , als er sich von seinen Brüdern,dem Mech, Stifter des slavischen Reichs in Ungarn, und dem Czecli,Gründer des Böhmenreichs, getrennt und mit seiner Scythenschaar einenTheil des Polenlandes erobert hatte, an der Stelle, an welcher er denHorst eines Adlers erblickt hatte, eine Stadl aufzubauen begann, umseiner Schaar ein Obdach zu sichern. Doch wollte derselbe bequemnicht eher untergebracht sein, als seine Krieger, und so liess er dennfür sich und seine Habe ein einfaches Strohdach, welches auf vierPfeilern ruhte, aufschlagen und schützte sich unter demselben so langevor dem Unwetter, bis die Seinen gemächlich untergebracht waren.Zum Andenken an diese Sorgfalt Lechs behielten die Nachkommendesselben das auf vier Pfeilern ruhende Dach als Sinnbild ihrer Ge-schlechter hei, und dasselbe ging später auf das ritterliche Wappenüber. — Bekannt ist, dass die den polnischen Wappen beigegebenenNamen die ursprünglichen Geschlechlsnamen der Familie enthalten, wäh-rend, die seit Anfang des 15. Jahrhunderts gebräuchlichen und sich auf:ski endenden Namen nur als Besitzzunamen, welche auch in den erstenZeiten dem Wechsel sehr unterworfen waren, zu betrachten sind, woraussich die grosse Zahl verschieden sich nennender Familien erklärt, welchedas nämliche Wappen führen und nur Zweige des nämlichen Stammessind. So ist denn hier Leszczyc der ursprüngliche Name des Hauses;der Wappenname ist ebenfalls Leszczyc oder Brog (ein celtisches Wort,welches Grundbesitz und im Polnischen eine Bedachung, um die Fruchtzu schützen, bedeutet), und der Name Radölin-Radolinski weist auf einenBesitz hin. Die Endung: sky und ski entspricht dem deutschen: zu,auf, von. Auf Grund des angenommenen Gebrauchs würde im PolnischenGraf Radolin Radolinski zu sagen sein: im Deutschen reichte Graf zuRadolin hin.— Das allgemeine und sehr streng in Polen beobachtete Gesetz,dass alle, gleiche Wappen führende adelige Familien zu einem und dem-selben Geschlechte gehörten, dessen ursprünglicher Name dem Wappenseihst beigegeben wurde, gab durch zwei Ursachen Anlass zu vielen Aus-nahmen, von welchen aber für jede im Staatsarchive sich die Berech-tigung finden musste. Die erste Ursache war der Gebrauch, Personen,welche sich durch grosse Verdienste besonders auszeichneten, in dasWappen eines Geschlechts aufzunehmen, was aber nur mit Bewilligungaller Glieder der dasselbe Wappen führenden Familien und mit Zustim-mung der vereinigten Reichsstände und der Krone geschehen konnte.Die zweite Ursache war die Aufnahme der lithauischen Familien in denpolnischen Adel hei dem Uebergange der Lilhauer zum christlichen Glaubenund in das pohlische Reich. Diese Aufnahme geschah in der Weise,dass man die lithauischen Familien zur Annahme der polnischen Wappenzuliess, doch wurden diese Adels- und Wappenertheüüngen durch Re-