148
Wald
jezt noch eine ihre Abstammung von Tann ableitende Familiede Pin vis in Spanien, zu welcher der Erzbischef von Ama-lien und Administrator von Lyon, de Pinos, gehört, der sichvor 30 Jahren hier befand, und Dupin in Frankreich.
Zu den hervorragenden Männern der Familie W. gehöreninsbesondere: Zwei Aebtc, einer, Kuno (Konrad), Abt des Klo-sters Weingarten von 1120—1141, und Odino (Otto) Abtdes Klosters Roth von 1140—1182; von dem Erstcren sagt dieKronik des Klosters Weingarten, daß er ans dem alten Gcschlcchteder W., ein Sohn Werncr's, von Lcztcrcm, daß. er vor seinemEintritte in das Kloster 1126 ein edler Dicnstmann (nobilis Mini-stcrialis) des Grafen v. Brcgeuz-Pfnllendorf gewesen sei. Wernersoll eine Gutta v. Lcicnburg zur Gemahlin gehabt haben, undgehört noch dem 11. Jahrh. an.
Ferner zält man hierher einen Eberhard Graf zu Tann undTruchscß v. W., der hatte, nach Pappenheim's Kronik, „zu EelichenGemahel Frow Ella, ain Gräfin von Ravenspurc". Bcr-tholdus und Eberhardus de Tanne (wahrscheinlich Brüder), dieals Zeugen in der Stiftungsnrkunde des Klosters Waldsee vomJahre 1181 stehen; und den Probst des Klosters Miuderau(Wcisscnau), Ulricus de Tanne, der im I. 1183 Ordensgcist-liche nach Schussenricd sandte. Heinrich, der mit Gefahr seinesLebens den Kaiser Philipp (1208) gegen seinen Mörder, Otto vonWittclspach, zu schützen suchte.
Eberhard, der Kostfreie, dem K. Heinrich VI. die Reichs -Jnstgnien zur Aufbewahrung in seinem Schlosse (Waldburg) an-vertraute (1134). Das Gleiche that K. Friedrich II. im I. 1121.Durch eine Reihe von Jahren (1138—1240) war er in Abwesen-heit der Kaiser ihr Stellvertreter (Statthalter, Landvogt), oder wiedaS weisscnauer Traditionsbuch sagt: gui gubernationem terrae proparte regiö tunc temp. tenebat et alio loco rcgiae dignitatis pro-curator, oder wie eine Urkunde K. Fricdrich's II. von 1215 vonihm schreibt: rcgiae auctoritatis index. Früher hatten die W. einenTannenbaum mit 7 gold. Tannenzapfen allein; von Eberhard anfindet man die 3 schw. schreitenden Löwen im g. Felde als dasWappen der W., wahrscheinlich als das Amtssignet der Statthalterder schwäb. Herzoge, später nach dem Aussterben der Hohenstaufenals bleibendes Familienwappeu.
Heinrich v. W., der den unglücklichen Konradiu auf seinemleztcn Zuge nach Italien begleitete und jener unheilbringendenSchlacht, sowie der Hinrichtung seines Herrn (12. Oktober 1268)beiwohnte.
Otto v. W., welcher in der Schlacht bei Sempach gegendie Schweizer (1386) geblieben ist.
Ein anderer Otto, Sohn Eberhard's v. W., der sich in einemZweikampfe in österr. Diensten auszeichnete und dadurch sich dieZuneigung der reichen und mächtigen Wittwe Katharina Gräfinv. Görz, einer geb. Gräsin v. Cilli, Schwesterkind der Ge-mahlin Kaiser Sigismunds, erwarb, die hernach sein Bruder Jo-hann ehelichte, wodurch das HauS der W. in nähere Verbindungmit Oesterreich kam.
Johann und Andreas, die sich als bekannte Kriegsmänner inden uiederländ. und venetian. Kriegen auszeichneten, beson-ders Johann durch seinen Zweikampf (1486) mit Antonio de S.
Severino. Andreas aber wurde von Graf Felix v. Werdenbergauf dem Felde bei Hundcrfingcn erschlagen.
Graf Max Willibald, der muthvolle und unbesiegbare kaiser-liche Kommandant der Festung Lindau während des 30jährigenKrieges, in Folge dessen ihm hernach der schwed. General Wrangelsein Residenzschloß Wolf egg im I. 1647 zerstörte.
Zum Schlüsse wird noch auf den im Bauernkriege des 16tenJahrhunderts bekannt gewordenen Truchseß Georg v. W., desschwäb. Bundes Feldhanptmann (1525), aufmerksam gemacht, derunter dem Namen Bauern-Jörg bekannt ist und nach damaligerWeise wegen seiner furchtbaren Strenge besungen wurde, dahernoch jezt im Algäu das Sprichwort im Munde des Volkes geht,wenn mau Jemanden den Ernst zeigen will: Warte nur, ich willdir den Herr Jörgen singen.
sJllustr. Zeit. v. 18. Juli 1857. Nr. 733. — v. Ledebur III. 3l1. —Kncschke, Grafcnhäuser. — Cast, Württemberg. Adelsbuch.j
Einige Schriftsteller haben dieses altdinastische HauS bis indas 4. Jahrh. hinaus ausführen wollen, was aber wenigstens nichtzu beweisen ist. Wahrscheinlicher ist, daß ein Herzog Numcliusvon Schwaben im 7. Jahrh. das Schloß dieses Namens gebaut,einem seiner Diener, Gerhard, geschenkt und ihn zu seinem Truchseßernannt habe. Dessen Abkömmlinge nannten sich Grafen zu Thannund Truchsesse zu W., weiterhin nicht mehr Grafen, sondern blosFreiherren zu W. Bei Erwerbung der Grafschaft Sonnenbcrgnahmen sie den gräfl. Titel wieder an, legten ihn aber nach Ver-lorst derselben nochmals ab. Im I. 1525 erhielten sie von KaiserKarl V. zur Belohnung der im Bauernkriege geleisteten Dienstedie Prärogative, sich Reichserbtrnchscsse zu nennen, und 3 Jahredarauf vom Erztruchscß Kurfürst Ludwig von der Pfalz die An-wartschaft aus dieses damals denen v. Seldencck noch zustehendeErbamt, daS sie auch nachher bis zur Auflösung des deutschenReiches bekleideten. Im I. 1628 erhob K. Ferdinand II. Einigewieder in den Grafenstand und ihre reichsständ. Besizungen zurNeichsgrafschaft. Später — am 15. März 1686 wurde WolfgangKristian Frhr. v. T., gen. W., kurbrandenburg. General-Major :c., mit seiner Gemahlin Sidonia Katharina Freiin v. Rau-thern nebst dem Oberst Joh. Heinrich und dem ObcrstlicntcnantFriedrich v. T., genannt W., in den Neichsgrafcnstand erhoben.Franz II. aber ernanute am 21. März 1803 die Häupter der dreischwäb. Linien (v. Wolfegg, Zeil-Zeil u. Zeil-Wurzach)zu Reichsfürsten und erhob ihre gesammtcu Herrschaften zum Reichs -Fürstcnthum. K. Friedrich von Württemberg verlieh diesemHause im jedesmaligen Senior daS Erbreichsoberhofmeisteramt alsThronlehn.
jJmhof, not. proc. Jmp. — Hartkuoch'S Preußen 45V. — I. I.Ranisch, Abhdl. von dem den erlauchten Gr. v. W. im hl. röm. Reichezustehenden Erbtruchscssenamtc und Titel, dessen Ursprung und Rechten.Königsberg, 172l. 4. — Hübner II. Tab. 5V7—15. — Gauhe I. 1921n f. — Zedier Uli. 1447—63. — Dicnemann 184. 373. — v. Hatt-stein 456—82. — Salver 439. 476. 493. 495. 561. — M. v. Pappen-Helm, Chronik der Truchsesse v. Waldburg von ihrem Ursprünge bis aufKaiser Maximilian II. Mit einer Kupfertafel u. einer gencalvg. Tabelle.Herausgegeben von Köberln. Meiuingcn. 1777- Fol. - Masch 177. —Gothacr gencalvg. Hofkal. von 1325 S 143—48. — Verzcichniß derTruchsesse, Grafen u. Herren zu Thann u. Waldburg sammt ihren Ge-mahlinnen, so viel man deren in alten Chroniken, Stiftern, Klösternu. andern Orten in briefl. Urkunden in Erfahrung bekommen w.; einManuskript, das in dem uffenbachcr Calab III. 423 angegeben istHartmann's Samml. — Spcner, op. herald. Pars spcc. 5VV. — Sieb-machcr I. 19. n. 9 (wo er sie Waltburg nennt). V. 5. n. 5. VI. 12. n. 7.