Gewalt konnte der Cardinal hier aber auch nichts ausrichten. Die Edelleutewehrten sich aus ihren Schlössern so tapfer, daß die Polen zuletzt vertrieben,und ihr Anführer, Obrist Oborsky in diesem Feldzuge selbst sein Leben ein-büßen mußte. Gar zu gern wollte der Cardinal auch den Herzog von Cur-land zur Feindseligkeit gegen diese seine Nachbaren aufwiegeln, und wie der-selbe sich nicht dazu verstehen wollte, suchte der Cardinal seinen Willen alleindurchzusetzen. Würklich gelang es ihm, den königlich dänischen Statthalter zuOesell, Obrist Georg Farensbach, so sehr zu drangen, daß dieser sich entschloß,zu capituliren. Bevor jedoch die Capitulation abgeschlossen war, rettete einOhngefähr die curländischen Stifter von der Gewalt des Cardinals.
Der Cardinal schloß nemlich die mit dem Obristen Farensbach unter-handelte Capitulation nicht ab, weil ihm die irrige Nachricht geworden, Piltenhabe sich unterworfen, und er nun glaubte, Oesell ohne Capitulation mit Ge-walt einnehmen zu können. Bevor er inzwischen weitere kriegerische Maaß-regeln vornehmen konnte, siel den Menschen Kriegsvolkern bei einem Ausfalleaus Pilten der Bagagewagen des Rittmeisters Claus Korf auf Amboten indie Hände, und mit solchem ein Schreiben des Königs von Polen, worauserhellete, daß der König von diesem ganzen Kriege nichts gewußt habe, unddaß er dem Cardinal befohlen, die Kriegsvölker sofort aus den curländischenStiftern abzuführen. Die Stände von Pilten sandten dieß königliche Schreiben,und noch ein anderes Schreiben des Cardinals, worin mehrere Anzüglichkeiten,enthalten waren, und welches sie auch erbeutet hatten, an den Herzog vonCurland, der denn darüber höchst aufgebracht dem Cardinale die bitterstenVorwürfe machte, und den Rückzug der Truppen bewürkte.
Mittlerweile hatten sich die Könige von Dannemark und Polen durch Ab-gesandte beschickt, wo ersterer sich über den Einfall in Curland, und letzterersich über den dänischen Beistand der Stände gegen die Krone Polens beschwerthatte. Diese wechselseitigen Beschwerden würden wahrscheinlich das Kriegsfeuervon neuem angefacht haben, wenn nicht der Herzog in Preußen, MarkgrafGeorg Friedrich von Brandenburg ins Mittel getreten wäre, und dahin einenVergleich zu Stande gebracht hätte, daß jeder König dasjenige, was er gegen-wartig in seinem Besitze habe, solange ruhig besitzen solle, bis die ganze Sache