63
Münchhausen, Bischof in Curland, gezogen. Als Ursache der ihn belastethabenden Ungnade des Herzogs Heinrich wird angegeben, daß sie dalier ent-standen sey, weil Diedrich im Kriege der schmalkaldenschen Bundsgenossen sichgegen den Herzog habe gebrauchen lassen.
Was Diedrich seine Handlung gewesen sey , darüber herrscht tiefes Still-schweigen. Daß er als Kriegsmann gegen den Herzog sollte zu Felde gezogengewesen seyn, muß man billig bezweifeln. Denn alsdann hatte er des Erz-bischofs Gnade nichr bis zum Ausgange des Jahrs i5^3 genießen können,indem der Erzbischof mit dem Herzoge gemeinschaftliche Sache gemacht hatte.Diedrich hatte dann schon früher haben fliehen müssen.
Herzog Heinrich war schon im Jahre 16^7 der hessischen Gefangenschaftentledigt; er war im Frühjahre i6/r3 schon wieder seinem Bruder zur Hülfemit Truppen im Stift Verden erschienen, und diese hatten sich in DiedrichsNachbarschaft mit den Völkern des Grafen von Manßfeld herumgeschlagen.Nach der Abkaufung dieses Grafen ist Diedrich ja erst Drost zu Rotenburgim Jahre i5är3 geworden. Dieß würde gewiß nicht der Fall gewesen seyn,wenn er schon damals des Herzogs Feind im offnen Felde gewesen wäre. DesHerzogs Feind war auch des Erzbischofs Feinde Wahrscheinlicher scheint eszu seyn, daß, wenn eine auf ihn: gelastete Ungnade die Ursache seiner Reisenach Curland gewesen ist, die so geschwinde Entsetzung von der Drostenschaftzu Rotenburg ihn vielleicht zu Vergehungen gegen den Erzbischof selbst verleitethaben mag, jedoch nicht in diesem Jahre, sondern etwas spater; und daß erentflohen sey, um sich der Rache desselben zu entziehen. Des Erzbischofs Ver-fahren gegen die Domherrn in Verden mogte ihm wohl vorleuchten, daß derErzbischof seinen etwa auf das leben des Diedrich abzielenden Entschluß aus-zuführen im Stande sey, und daß ihn daher nichts als die Flucht retten könne.Vielleicht mogte Diedrich guch zur Reformation übergetreten, und dieß dieUrsache der Ungnade seyn; denn dieß konnte den Verdacht des Einverständ-nisses mit den schmalkaldenschen Bundesgenossen erregen.
Sey dem aber, wie ihm wolle, so ist doch soviel gewiß, daß er im Jahrei560 schon wieder auf seinen Besitzungen in Deutschland gewesen ist, wennes anders richtig, daß er schon im Jahre 16^9 nach Curland gegangen sey.