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Wahrscheinlich ist ihr Wochenbett kein sanftes Lager, und sie selbst ohnealle Hülfe und Begleitung gewesen; auch war es vielleicht nur der Platz, wor-auf das Flecken Burg hernach erbauet worden, oder der Ort war damals gradezerstört. Die Geschichte schweigt darüber, und überlaßt es dem eigenen Gut-finden des Lesers, wie er sich die Beschaffenheit des Ortes denken will. Sieerzahlt dagegen weiter, daß um dem jungen Mondillo das Leben zu erhalten,eine würkliche Bärin sich seiner hat annehmen, und die ernährenden Brüsteihm hat reichen müssen.
Diese, obgleich wilde, doch zärtliche Pflegemutter hat in der Folge ihrengeliebten Säugling im Leben nicht verlassen. Allenthalben ist sie. ihm gefolgt,und hat ihm dadurch dem Beinamen: Ormis, Bar, erworben. Vom tapferngothischen Geblüte entsprossen, durch wilde Nahrung auferzogen, soll Mondillo,wie sich nicht anders erwarten ließ, ein tapferer Krieger geworden seyn, sichnach Rom gewandt, und in römisch kaiserlichen Diensten so sehr ausgezeichnethaben, daß ihm der damalige Kaiser Valentinian, welcher in den Jahren o6ärbis Z76 regierte, mehrere Güter im Herzogthume Spoleto, derozeit Umbriengenannt, zur Belohnung seiner Theten geschenkt haben soll.
In der Folgezeit sollen sich seine Nachkommen noch mehrere Güter er-worben, sich nach Rom begeben haben, und einer von ihnen, Namens Lajus?Iavius klrsus der Stammvater aller Ursiner, einer sehr angesehenen italienischenFamilie, geworden seyn.
So ließen die Liebhaber solcher Bilder in vorigen Zeiten den rauhen gothi-schen Stamm aus Deutschland, oder wo sie ihn sonst herzuhohlen für gut fan-den, in das milde Clima Italiens verpflanzen, ihn dort Wurzel fassen, wachsenund blühen, um ihn mit fremdem römischen Glänze zum Staunen der Gleich-genossen älterer Vorzeit wieder auf vaterländischen Boden zurückkehren lassen zukönnen. Grade als wenn das Vaterland seinen Söhnen nicht selbst Glanz ge-nug geben könne, und es eine Schande wäre, seinen Ursprung nur allein demVaterlande zu verdanken zu haben.
Sey dem indeß, wie ihm wolle, so bleibt es für die Liebhaber solcher Er-zählungen doch immer Schade, daß die Geschichtschreiber jener Zeit nichts von
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