Im Grossen und Ganzen sind die rheinischen Gefässe der erstenKaiserzeit zweifellos eine Fortführung der Erzeugnisse desLa Tene-Typus. Es sind diese neuen provinzial-römischenGefässe in ihren Arten mannigfaltiger als die vorrömischen,indem man über das Allernotwendigste hinausging, und neue,einer verfeinerten Lebensweise entsprechende Geräte schuf.Diese sind zumeist zwar nur Zweige des altheimischen Stam-mes, aber die importirte Waare gab vielfach zu neuen MotivenAnlass. Es bildete sich allmählich ein neuer Gefässstil, derweder die italischen noch die einheimischen Gefässformen inreiner Weise zum Ausdruck bringt, sondern nur die letzterendeutlicher als die ersteren erkennen lässt. Freilich ist zu be-rücksichtigen, dass sich die römische La Tene-Waare vorwie-gend in dem Bezirke der keltischen und keltisirten Germanen-stämme findet, besonders in den keltisirten Orten des Mittel-und Oberrheins, während in dem rein germanischen Gebietedes Niederrheins, zumal bei den militärischen Anlagen, demAnscheine nach schon in der späteren Augusteischen Zeit eineWaare vorherrscht, die mehr italische als einheimische Elementezur Schau trägt.
Schon im Ganzen lässt sich das Römische von dem Vor-römischen trennen durch den klingend hartgebackenen Thondes ersteren, und die unverkennbare Benutzung der Töpfer-scheibe. Dazu tritt, wie schon gesagt: eine Umwandlung derGefässformen.
Die ersten hartgebackenen Gefässe erscheinen mit Mün-zen desAugustus. Von dieser Zeit ab herrscht ein mit gesun-den, breiten Formen arbeitender Stil, der die La Tene-Typenumgestaltet.
Die meisten Gefässe haben kräftige Profile, oder aberschräg gestellte flache Ränder; sie sind zumeist spiegelglatt,graublau, oder schwarz von Farbe, soweit sie einheimischenArten entstammen; seltener erscheinen lichtrote Gefässe mitglänzend braunem Ueberzuge, ebenso weisse und andersfarbigeTöpfe. Die Ornamente sind eingedrückt oder eingeritzt. Spätertritt der Barbotine-Schmuck hinzu. Die terra sigillata erreichteihre grösste Vollkommenheit, und tritt in zweierlei Art auf,