— 24 —
Es ist zu beachten, dass dieser Befund auf die Vorstellung-der reinigenden und erhaltenden Kraft des Feuers oder einersühnenden Bedeutung der Opferflamme hinweist. Sei es, dassman den Verstorbenen durch Feuer entfleischte oder des Ver-wesbaren, Sündhaften entledigte, dass man denselben zwischenzwei Feuern nur einer symbolischen Reinigung unterzog, oderdass die Flamme als Opferflamme galt. In keinem Falle isthier nachweislich der Tote oder vielmehr das Knochengerüstdesselben vollständig zu Asche verbrannt worden. Auch istzu beachten, dass die Hügelgräber mit geschweiften schnur-verzierten Bechern, welche man anderwärts gefunden hat,nicht einmal jene Brandreste zeigen. Es kann hier eine neuaufgekommene Sitte vorliegen, die zuerst den vornehmstenVerstorbenen gedient hat und erst später allgemeiner wurde.Jedenfalls tritt hier, in der Gegend von Wiesbaden, bereits inder jüngeren Steinzeit oder Kupferperiode mit den sclmurver-ziertcn geschweiften Bechern eine Sitte der Beisetzungsartdes Verstorbenen auf, die Haue in oberbayrischen Gräbern erst„gegen Ende der jüngeren Periode älterer Bronzezeit" be-obachtet hat.
Die unter den Beigaben befindliche „Streitaxt", einesehr nobel geformte und trefflich geschliffene durchbohrteHammeraxt aus Serpentin, ist geschmackvoll faeettirt. Wieweit schlichter sind dagegen die Monshei'nier „schulileisten-förmigen Steinkeile" und „die länglich viereckigen Steingeräteans rotem Sandstein mit einer Längsrinne auf der Mitte derlinken Oberfläche"; auch hat man sich zu keinem der Mons-heimer Steingeräte jener gewählteren Steinart bedient! Dannsind zu berücksichtigen die in dem Wiesbadener Grabhügelgefundenen Kupfer- oder Bronzeringe, während in den Mons-heimer Gräbern jede Spur von Metallen fehlt. Der Vorzug,welchen diese Gräber in cultureller Beziehung gegenüber den-jenigen der vorigen Abteilung haben, wird noch deutlicherdurch das interessanteste Grabdenkmal dieser Art, nämlichdas berühmte, zuletzt von Prof. Klopfleisch (Vorgesch.Altert, der Pr. Sachsen, Heft I und II) abgebildete und be-schriebene „Merseburger Grabdenkmal". Es ist wieder ein.