Lyuar«
325
Bald nach dem Abzüge der Feinde ergänzte er nach eigener Angaheund unter seiner persönlichen Leitung die bis dahin mangelhaften Fe-stungswerke dieses Platzes mit regelmässigen Basteien und verschie-denen Liinetten. Er hatte hei dieser Gelegenheit auf eine so glän-zende Weise seine Kenntnisse als Ingenieur an den Tag gelegt, dasser mit 27 Jahren zum Generallieutenant und General - Commissariusaller Festungen der Krone Frankreich ernannt wurde. Im Jahre 1554erschien der Graf zu Lynar zum erstenmale als Gesandter Frankreichsam Hofe des Kurfürsten Joachim II. von Brandenburg. Im Jahre 1558war er wieder bei der Armee tliätig; er leitete den Angritf auf Dicten-hofen und verlor bei dieser Gelegenheit durch einen Biichsenschuss einAuge. Im Jahre 1560 nahm er die protestantische Religion an, be-hielt aber doch ausnahmsweise seine Würden und Aemter, und wurdenoch im Jahre 156.1 zu einer Gesandtschaft von König Karl IX. nachDeutschland an die sächsischen, brandenburgischen und hessischen Höfegebraucht. Im Jahre 1564 vermählte er sich mit einer reformirtenFranzösin, Anna, gebornen v. Montot, verwittweten v. Barbe, undwohnte mit derselben zu Metz. Als 1567 die Religionsunruhen inFrankreich sich schrecklich erneuten, stellte der Prinz v. Conde sichan die Spitze der Protestanten, gab dem Pfalzgrafen Herzog Casimir,der mit einer Armee zu Hülfe gekommen war, den Grafen Rochuszum FeldmarschaU, und dieser nahm ihn 1568 mit nach Heidelberg.So kam dieser merkwürdige Mann nach Deutschland. Er schlug dieAnerbietungen und grossen Versprechungen des Königs von Frank-reich aus, eben so auch die verschiedener deutscher Fürsten, als desHerzogs von Zweibrücken und des Prinzen von Oranien, um in kurpfäl-zischen Diensten zu bleiben. Daselbst ward er Oberster und Kriegs-rath, und befestigte Bellikheim unweit Heidelberg. — 1560 wurde er,doch mit Beibehaltung der pfälzischen Dienste und Besoldung, beim.Kurfürsten von Sachsen Ober-Artilleriemeister und Befehlshaber sei-ner Festungen, und zog im Jahre 1570 nach Dresden. Im Jahre 1572sendete ihn der Kurfürst von Sachsen an verschiedene italienische Höfe,und so sah er sein schönes Vaterland und seine ihm immer noch theureHeimath wieder, wo der Grossherzog von Florenz ihm die Einsetzungin seine Güter, Dienste und Gehalt anbot, doch mit der ausdrückli-chen Bedingung, dass einer seiner Söhne beständig daselbst residirensollte; ein Anerbieten, welches annehmbar war. Im Jahre 1574 liesser einen Fehdebrief in deutscher Sprache gegen mancherlei Beschul-digungen und Verläumdungen seines Standes und seiner Führe drucken.Dieser im Patentformat gedruckte Bogen zeigt den Charakter der da-maligen Zeit, und den des Grafen selbst. Einer von den Punkten,wegen deren man ihn verachten und Verstössen zu können meinte, war:dass er ein Baumeister sei. Hierauf erwiederte er: „Deshalben be-kenne ich freylich, dass ich nicht allein mich dafür ausgebe, sondernauch mir solches zu grossen Ehren vnd Ruhm achte, vnd Gott demHerrn für solche Gnad nicht genug zu danken wisse, in Betrach-tung, solche Gabe und Kunst seltzam, im Krieg vnd Frieden hoch-nöthig vnd dann einem Rittern vnd Kriegssinann so ehrlich vnd rühm-lich ist, dass in Italia, wie der Landart vnd des Kriegs erfahren wolwissen, nicht allein die vom Adel, sondern auch die fiirnembsten Für-sten vnd Herren, sich darinn wissentlich vnd zu Ruhm vben vnd ge-brauchen lassen." Und am Ende setzt er hinzu: „Solchs alles, wasobstehet, vnd schliesslich, dass kein Mensch mich einiger Sachen undThaten, die einem ehrlichen redlichen Mann nit wohlanstehen, mitRecht beschulden kan, gedenke, wille vnd erbiete ich mich, vermit-telst Göttlicher Gnaden, jederzeit, als lang ich das Leben haben werde,gegen menniglichenmit Hand vnnd,wie einem Ritter massigen