Druckschrift 
3 (1842) I - O
Entstehung
Seite
91
Einzelbild herunterladen
 

Keitli.

91

in seinen Chargen, und sich hei vielen Gelegenheiten auf das rühm-lichste auszeichnend, wurde er zum General en Chef der Truppen er-nannt, welche gegen die Schweden fochten. Auch die Kaiserin Elisa-beth beehrte ihn im Jahre 1742 wieder mit einem Commando gegendie Schweden. Im Jahre 1747 erhielt er einen Besuch von seinemBruder, der, wie bekannt, zu den reinsten Verehrern und FreundenFriedrich's II. gehörte. Der General K. verliess nun die russischenDienste und trat in demselben Jahre in preussische, mit dem Charak-ter eines General-Feldmarschalls; auch erhielt er im Jahre 1749 dasGouvernement von Berlin und den schwarzen Adlerorden. Er beglei-tete beim Ausbruche des siebenjährigen Krieges den König nach Sach-sen, und übernahm den Oberbefehl im preuss. Lager bei Aussig inBöhmen. Ueberall zeugten seine Anstalten von seinen Talenten und Kennt-nissen, und er rechtfertigte immer die grossen Erwartungen, die sichder Monarch und die Armee von ihm gemacht hatte. Nach der Be-nachrichtigung von dem unglücklichen Vorfalle bei Collin, wobei er nichtgegenwärtig war, da er das auf der Westseile von Prag zurückgeblie-bene Einschliessungscorps commandirte, trat er mit klingendem Spieleund fliegenden Fahnen seinen Rückzug an, sich als ein Meister in derKriegskunst Schritt vor Schritt vertheidigend. Im Jahre 1757 rettete erdurch seine Entschlossenheit die Stadt Leipzig, die ansehnliche Kriegs-vorräthe Friedrich's II. barg. Der Sieg bei Rossbach wand neue Lor-beeren um sein Haupt. Im Jahre 1758 leitete er die Belagerung vonOllmiitz. Der Schlacht bei Zorndorf beizuwohnen, wurde er durcheine Krankheit verhindert, jedoch langte er in den ersten Tagen desOctober wieder hergestellt, bei der Armee an. Im Lager zwischenBautzen und Hochkirch in der Nacht vom 13. zum 14. Octbr. wurdendie sonst wachsamen Preussen überrascht; vom Gebrülle des Geschü-tzes erweckt, setzte sich der Feldmarschall zu Pferde, und eilte, ander Spitze der sich zuerst formenden Colonne dem Feinde entgegen.Dreimal gelang es ihm, denselben zurückzudrängen, laut ertönte seineCominandostimine im fürchterlichen nächtlichen Kampfe, als er mittenunter den Streitenden zwei tödtliche Wunden in den Unterleib erhielt.Bald darauf riss ihn eine Stückkugel vom Pferde, und noch auf demSchlachtfelde, aus vielen Wunden blutend, gab er seinen Geist auf.Der österreichische General Lascy erkannte die Leiche des Gebliebe-nen, und, das Andenken des Helden ehrend, liess er ihn mit allenseinem hohen Range gebührenden Ehrenbezeigungen begraben. ZwölfKanonen gaben eine dreimalige Ehi'ensalve, und die Brigade Colloredogab- ein Gewehrfeuer über das Grab des unerschrockenen und ein-sichtsvollen Heerführers. Später jedoch wurde sein Leichnam nachBerlin abgeführt, wo er am 1. Februar 1759 ankam, und in der Gruftder Garnisonkirche beigesetzt wurde. Nicht minder gross als Staats-mann, wie als Feldherr, war er selbst seinem weisen, grossen Kö-nige oft ein erwünschter Rathgeber, und seine ganze Erscheinung impreuss. Heere ist ein herrliches Bild der militairischen Grösse, wiedes menschlichen Werthes, den die Achtung eines unsterblichen Monar-chen, wie die von ganz Europa, anerkannt hat. Ein besonders her-vorstechender Zug in seinem Charakter war Freigebigkeit und Unei-genniitzigkeit. Auf diese Tugenden beziehen sich die Worte seinesBruders, der nach dem Tode des Feldmarschalls an die gelehrte Frauv. Geoflrin schrieb:Mein Bruder hat mir eine schöne Erbschaft hin-terlassen; er hatte ganz Böhmen an der Spitze einer grossen Armeeunter Contribution gesetzt, und ich habe 70 Stück Dukaten bei ihmvorgefunden."

Der erwähnte Bruder Milord Marechal Keitli bekleidete vom Jahre1754 bis zum Jahre 1766 die Stelle eines Gouverneurs von Neufchätel.