Zweyte Abtheilung. Cap. 491
ist ein so tödlilchrs und vergiftendes Unkraut, daßdabey nichts gutes aufkommen kann. Verlieretihr auch immermehr die Eigenliede, und werdetihr in euren eigenen Augen geringer ? Kommt eseuch auch noch außerordentlich schwer an, wennihr euch von andern sollet verachten Kissen? Kon-net ihr auch mlt Vergnügen ansehen, daß euchandere vorgezogen werden ? Könnet ihr diejenigen,die verächtlich von euch denken, herzlich hochachtenund lieben ?
Zum achten: Römmt es euch auch sau-rer und schwerer an zu sandigen, und em-pfindet chr es eigentlicher, wenn euch Gothbeyftehet, oder sich euch entziehet ? Fürchtetihr euch mehr als sonst für der Sünde? Sindeuch eure Sünden nunmehr eine größere Last alssonsten ? Machen euch selbst die Schwachheiten,die ihr noch an euch habet, die größte Bekümmer-z-nß ? Und erregen die täglichen Früchte der natür-lichen Verdorbenheit euren Gemüthern eine bestän-dige Traurigkeit?
Zum neunten : Dringet euch auch die Lie-be zu Gott, zum Glauben, und zu denen vondem Herrn euch gegebenen großen Verheißun«gen, mehr als sonsten ? Die Furcht hat alle^mal was sklavisches bey sich ? Findtt ihr also, daßeuch die Liebe zu Gott mehr treibet, als die Furchcvor ihm? Richtet ihr euer Augenmerk mehr aufdas Unsichtbare, als vorher?' Und verlieret dieWelt eure Achtung? Gehet ihr auch mehr auseuch selbst? Lebet ihr Christo zu Ehren, als dexQvelle eures Lebens, und suchet ihr. bey allen Ge-