Druckschrift 
Aus dem Leben eines Taugenichts : Novelle
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

stöhlen »nd darauf im Kerker Den Martin angerufen hatte, er-schien dieser nicht eher, als bis jener zum Hängen vernrtheilt warund bereits unter dem Galgen stand. Da sagte der Man» zuihm: Hört, das ist denn doch außer allem Spaß, ich sage Euch,ich habe schon große Angst ausgestanden. Doch Don Martin ent-gegnete, er bringe ihm hier fünfhundert Maravedi's in einerBüchse, die solle er nur dem Richter geben, so würde er gleichfrei sein. Nnn hatte der Richter bereits Befehl ertheilt, ihn zuhängen, sie konnten jedoch keinen Strick finden, und während manden Strick suchte, rief der Mann den Nichter bei Seite, und gabihm die Büchse mit dem Gelde. Als der Richter hörte, daß esfünfhundert Maravedi's wären, sagte er zu den Umstehenden: Lie-ben Leute, wer hat wohl jemals erlebt, daß der Strick zum Hän-gen fehlt? Der Maun ist uuschuldig, Gott will seinen Tod nicht,darum fehlt uns der Strick, wir wollen aber den Menschen bismorgen noch festhalten, nm weiter zum Rechten zu sehen, und ister schuldig, so soll morgen das Urtheil vollstreckt werden. Dochdieß that der Richter nur, um ihn, der fünfhundert Maravedi'Swegen, durchschlüpfen zu lassen. Nachdem er nun diese Anordnunggetroffen, entfernte er sich nnd öffnete die Büchse, in der Mei-nung, die fünfhundert Maravedi's zu finde», fand aber kein Geld,sondern einen Strick darin. So wie er dies sah, befahl er ohneWeiteres den Mann aufzuhängen, und als sie diesen unter denGalgen gestellt, kam Dou Martin, und der Mann sagte ihm, ersolle ihm helfen. Don Martin aber erwiederte, er helfe feinenFreunden jederzeit nur bis zu solchen Stellen ; und so hatte dennjener Mann Leib nnd Seele verloren, weil er dem Teufel getraut.

Eiue der sinnigsten Geschichten ist die von der Theilung desGuten nnd Bösen. Sie hielten Schaafe zusammen. Der Bösesagte: der Gute solle die neugebornen Lämmer haben, er aberwürde die Milch nnd Wolle der Schaafe für sich nehmen; undder Gute war mit der Theilung zufrieden. Nun meinte der Böse,es wäre vortheilhast, wenn sie Schweine hätten; dem Guten wares recht, als eS aber zur Theilung kam, sagte der Böse, da beiden Schaafen der Gute die Jungen, uud er die Milch und dieWolle genommen, so solle jetzt der Gute die Milch, und Wolle