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„Die Liebe — darüber sind nun alle Gelehrten einig —ist eine der kuragiösesten Eigenschaften des menschlichen Her-zens, die Bastionen von Rang und Stand schmettert sie miteinem Feuerblicke darnieder, die Welt ist ihr zu eug und dieEwigkeit zu kurz. Ja, sie ist eigentlich ein Poeten-Mantel,den jeder Phantast einmal in der kalten Welt umnimmt, um»ach Arkadien auszuwandern. Und je entfernter zwei ge-trennte Verliebte von einander wandern, in desto anständigernBogen bläst der Reisewind den schillernden Mantel hinterihnen auf, desto kühner uud überraschender entwickelt sich derFaltenwnrf, desto länger und länger wächst der Talar denLiebenden hinten nach, so dasi ein Neutraler nicht über Landgehen kann, ohne unversehens auf ein Paar solche Schleppenzu treten. O theuerster Herr Einnehmer und Bräutigam!obgleich Ihr i» diesem Mantel bis an die Gestade der Ti-ber dich inrauschtet, das kleine Händchen Eurer gegenwärtigenBraut hielt Euch dennoch am äußersten Ende der Schleppefest, uud wie Ihr zucktet und geigtet und rumortet, Ihrmußtet zurück in den stillen Bann ihrer schönen Augeu. —Und nun daun, da es so gekommen ist, Ihr zwei lieben,lieben närrischen Leute! schlagt den seligen Mantel um Euch,daß die ganze andere Welt rings um Euch untergeht —liebt Euch wie die Kaninchen und seid glücklich!"
Der Herr Leonhard war mit seinem Sermon kaum erstfertig, so'kam auch die andere junge Dame, die vorhin dasLiedchen gesungen hatte, auf mich los, setzte mir schnell einenfrischen Myrthenkranz auf den Kopf, uud sang dazu sehr