Karlsschrein. Reliquienschrein der h. Jungfrau. 15]
Silber gearbeitet hatten, beisetzen, legte seinen Mantel ab,nahm einen Hammer, bestieg mit dem Künstler das Gerüsteund schlug mit diesem die Nägel an dem Sarge ein.« Nebenden Karlsschrein ist eine Zierde der Achener Münsterkirche derMarienschrein, welcher die sogenannten grossen Reliquien ein-schliesst: 1. das Kleid der allerseligsten Jungfrau, 2. die Windelndes Herrn, 3. das Tuch des h. Johannes des Täufers, und 4. dasLendentuch, mit welchem der Heiland am Kreuze umgürtetwar. In Zeiten allgemeiner Noth wurde er nach Beeck infeierlicher Prozession umhergetragen. 2 )
In der Urkunde, welche der König am 29. Juli »auf demfeierlichen Reichstage zu Achen« (Lac. II. 61, Quix 126) derStadt gewährte, bestätigt er die Privilegien des Vaters unddes Grossvaters und fügt wesentliche hinzu. Es sollen näm-lich nicht nur geistliche und weltliche Eingeborene diesesOrtes, sondern auch alle Bewohner und Ankömmlinge, welchehier ihre Wohnung aufschlagen, für jetzt und in Zukunftfrei sein, auch solche, welche aus diesem Orte herstammen,aber anderswo sich aufhalten, auch sollen sie niemals wederdem Könige, noch dem Kaiser oder irgend einer Person,welchem Stande diese auch angehören möge, zu Lehen ge-geben werden. Durch das ganze Reich dürfen sie zollfreiund ohne Belästigung, wie ihre Vorfahren, ihre Geschäftebetreiben. Kein von ihm oder von einem seiner Nachfolgerin Achen eingesetzter Schultheiss (iudex) darf den Bewoh-
') Franz Bock, »Karls des Grossen Pfalzkapelle und ihre Kunst-schätze,« S. 98—114 ist der Meinung, dass der Sarg, jetzt Karlsschreingenannt, von dem oben S. 130 erwähnten Wibertus oder seinen Kunst-genossen angefertigt worden sei. Ueber seine Stellung im karolingischenChore spricht sich P. St. Kaentzeler in der erwähnten Schrift aus,derselbe erklärt auch in einer eigenen Broschüre das Kunstwerk undnamentlich die acht Reliefbilder und die 16 silbernen Kaiserbildsäul-chen. welche dasselbe zieren.
2 ) Von diesem sagt Franz Bock in dem angeführten Werke: Mansieht sich heute vergeblich nach einem Reliquienschrein um, welchereine solche Vollendung der Formen zeigt und sich dazu noch so vor-trefflich erhalten hat. — Er ist aus jener Blüthezeit der kirchlichenGoldschmiedekunst, welche man heute als Uebergangszeit von den ro-manischen Formen in die gothischen zu bezeichnen gewohnt ist.