Druckschrift 
1 (1873) Von den Anfängen bis zum Jahre 1400
Entstehung
Seite
147
Einzelbild herunterladen
 

Der Bürgerkrieg. Philipp ermordet. J47

Geissein zu stellen, worauf er sich wieder an den Oberrheinbegab. Der Krieg zwischen den beiderseitigen Anhängernwurde indessen fortgesetzt unter Verwüstungen und Greuelnaller Art gegen Kirchen, Geistliche und Weltliche. DieExcomniunication der Grafen von Berg, Jülich, Geldern, Hoch-staden, Altena u. A. brachten dem Jammer kein Ende. AlsPhilipp im August des Jahres 1206 mit einem starken Heerean den Niederrhein zurückkehrte, traf er mit seinen Gegnernzwischen den Sümpfen bei Wassenberg zusammen und be-siegte sie vollständig. Otto und Bruno warfen sich in dasfeste Wassenberg, das die Sieger belagerten. Otto entflohmit drei Begleitern nach Köln, der Erzbischof Bruno wurdegefangen genommen. Als eine persönliche Zusammenkunftder beiden Gegenkönige in der Nähe von Köln kein Ver-ständniss herbeiführte, unterwarf sich auch das von derLand- und der Rheinseite hartbedrängte Köln unter vortheil-haften Bedingungen dem Könige Philipp, der im folgendenJahre das Osterfest in dieser Stadt beging. Da der SiegerMilde übte, den Erzbischof Bruno der Haft entliess, auchmit dem Erzbischof Adolf in allen Angelegenheiten, welcheden Bann betrafen, sich dem Papste Innocenz III. unterwarf,so lösten die Kardinallegaten am 30. November 1207 denKönig Philipp und den Erzbischof Adolf in Augsburg feierlichvom Banne. Der grosse Innocenz III. schildert das Elend,das der Bürgerkrieg hervorgerufen, mit den Worten: «welcheUebelstände und Gefahren, welche Angst und welcher Jammeraus jener Spaltung für die ganze Christenheit entsteht, kanndie Zunge kaum aussprechen, der Geist kaum ausdenken.«Otto gab seine Sache nicht vorloren und rüstete von Neuem,als er Hiilfsgelder von England erhalten und der König vonDänemark ihm Unterstützung zu dem bevorstehenden Kriegezugesagt hatte. Noch wenige Tage und der auf ein Jahrabgeschlossene Waffenstillstand ging zu Ende, da verbreitetesich die Kunde, Philipp sei am 21. Juni 1208 zu Bamberg,wo er die Hochzeit seiner Nichte Beatrix mit dem HerzogeOtto von Meran feierte, vom Pfalzgrafen Otto von Wittels-bach erschlagen worden. Man setzte ihn Anfangs zu Bamberg,dann zu Speier bei. Nach dem gewaltsamen Tode Philippskehrte Bruno auf seinen erzbischöflichen Sitz zurück, Adolf

10*