Andern Gut, Jeder will dem Andern zu klug sein, und die Großenschnappen nach den Kleinen wie die Hechte im Fischteich. Esliegt ihnen Nichts dran, wie sie dran kommen, wenn sie es nurkriegen. Vornehm und Gering, Geistlich und Weltlich huldigtdem Wahlspruch: Krieg, was du kannst und halt, was du hast.Aber so mit den Fingern haben die Wenigsten Muth und Ge-schick. Erbärmliches Pack diese Menschen. Schon als Knabestibitzte ich der Bruthenne die Eier unter dem Leibe weg unddem Küster die Brille von der Nase. Die verschiedensten Taschenhab' ich durchsucht. Nur die Tasche eines Fürsten ist mir nochfremd. Hat die einen Boden oder nicht? (Lacht.) Ich muß wissen,wie diese Centraltasche beschaffen. Der Herzog hat seine Händein allen Taschen. Heut' soll's nmgehn. Muth Hopza! ich glaub',ich spür' so eine Art Respect, so etwas Gruseliges im Leib.Thut das die Ungewohnheit, die Standesperson? Schäm' dichHopza, dem Pastor am Altar setzt sich die kleine Fliege frech aufdie Nase und eine Fliege sollt' noch frecher sein wie du? DieSchand will ich nicht haben. Nun rasch von der Flinte zur
Finte! (Verbirgt die Flinte im Wachholderstrauch und kollert aus den Boden in derWitte der Buhne.)
Siebenter Auftritt.
(Der Borige und Kurfiirst Johann Wilhelm. Letzterer tritt auf in der Kleidung herzog-licher Jäger mit Gewehr und Waidetasche, jedoch ohne Waldhorn. Er hat eine Blume
in der Hand, diese betrachtend, geht er an Hopza vorüber, im Selbstgespräch.)
Joh. Wilh. Im kleinsten Blümchen eine Welt voll Schön-heit, die —
Hopza. Au! au! o wär' ich todt!
Joh. Wilh. Was für ein Laut? Schmerzensruf! Werliegt am Boden?
Hopza. Au! Au! Hülfe, sonst bin ich verloren.
Joh. Wilh. Ein Mensch! heh! Hülfe! Kommt Niemand,der ihn aufhebt?
Hopza. Ja aufheben, sonst geh' ich todt! Au! au!
Joh. Wilh. Heh! Hülfe! Fruchtlos Rufen. Doch einMensch. Und sollt' ich zaudern, ihm zu helfen? (Leg- die Flinte ab
und tritt zu Hopza.)
Joh. Wilh. Wie soll ich helfen. Freund?
Hopza. O hättet Ihr nur halb so viel Gottesfurcht wieeine Kohlmeise, so hättet Ihr mich schon längst aufgehoben.Au! au!
Joh. Wilh. (hebt ihn aus.) Gott steh' dir bei! ich helfe gern.