PASQU1N0 ÜBER ALEXANDER VI.
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keit in einer so maß- und schamlosen Weise verhöhnen konntewie Alexander VI. Die Piagnonen hatten die Antwort bereit, ersei ein ganz ungläubiger Mensch gewesen, ein Heide, der niemalsgetauft, oder doch ein Marrane, der es nur zum Scheine war.Allein es gibt einen Unglauben von zartestem, sittlichem Empfin-den, edelstem Pflichtgefühl und lauterster Herzensgüte, wie esGläubige von entsetzlicher Gemütsroheit, Pflichtvergessenheit undGewissenlosigkeit gibt. Wie es sich nun nicht selten ereignet, daßein Mensch mit einem unwillkürlichen Worte oder mit einer Un-bewußten Gebärde sein innerstes Wesen enthüllt, so verriet seinGeheimnis auch Alexander, als er beim Gastmahle in HadriansVilla auf einmal nach dem Beutel mit der Hostie und den Reliquiengriff, um die drohende Gefahr von sich abzuwenden. Das Aller -heiligste seiner Kirche war ihm ein Zaubermittel, die Religion nurMagie und die Magie Religion. Wo aber nur Zauber und keineReligion herrscht, da kann es kein sittliches Bewußtsein und Ver-antwortungsgefühl geben. Denn der Zauber wirkt auf Grundseines genauen Vollzugs durch sich selbst, ex opere operato, diesittliche Beschaffenheit des Vollziehers kommt für ihn nicht inBetracht. Er ist im Himmel und auf Erden die höchste Macht,Götter und Menschen gehorchen und dienen ihm. Das war derStandpunkt Alexanders VI.; darum gab es für ihn weder eine reli-giöse noch eine sittliche Hemmung, er fühlte sich jenseits von Gutund Bös. So ward er zu jenem scheußlichen Ungeheuer, welchesein Zeitgenosse in bebenden Versen brandmarkte, die den Ab-scheu der Menschen von ihm in dem vernichtenden Urteile zu-sammenfaßten: selbst für die Hölle zu schlecht!
Beelzebub brüllt und ist ganz außer sich,Daß allzu frühe erschien in Höllenlanden,Dahingerafft von tückischen Todesbanden,Der einst auf Erden Gott an "Würde glich.
Es banget Satanas, daß Roderich,Im Höllenreich als schlechtester erstanden,Vom alten Thron ihn stoß' mit Schimpf und SchandenUnd ihn besteig' als grimmer "Wüterich.
Die Seelen der Verdammten hört man klagen:O Beelzebub, verlasse nicht dein Reich, —Viel leichter ist dein Joch doch zu ertragen!
"Wohl traf uns hart dein unbarmherziger Streich —Mit Borja darfst du den Vergleich nicht wagen,Denn alle Teufel kommen ihm nicht gleich 101 .