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ZUM LEBEN UND STERBEN ALEXANDERS VI.
Hl. Vater war mit Geldzählen beschäftigt". Am 1. August starbnach einer Krankheit von nur zwei Tagen der Kardinal JohannBor ja von Monreale eines fast plötzlichen Todes; der Papstnahm die Nachricht mit vergnügter Miene auf, obschon er imVerstorbenen einen Neffen zu beklagen hatte; denn man fand beiihm an Geld und Geldeswert 100 000 Dukaten, mehr, als manerwartet hatte. Allgemein hieß es, auch er sei den Weg gewandert,welchen alle beschreiten müßten, sobald sie fett genug seien; fürden Urheber aber hielt man Cesare, „welcher ihn jederzeit gernhatte 38 ". Als nun J u s t i n i a n am 2. August in den Vatikankam, ließ sich der Papst wieder entschuldigen, er sei durch denTod des Kardinals, seines Neffen, verhindert; das „Hindernis"aber bestand im Zählen des Geldes und Wägen der Edelsteine 38 .Als einer der reichsten Prälaten Roms galt um seiner einträg-lichen englischen Pfründen willen der Kardinal Hadrian vonC o r n e t o. Je üppiger und vielleicht übertriebener nun aber dieVorstellungen waren, welche über sein fürstliches Vermögen imUmlaufe waren, um so heftiger mußten sie die unersättliche Gierder Borja reizen. Es w y äre geradezu ein Wunder zu nennen ge-wesen, wenn sie, gewohnt, alle „auf den Weg des Todes zuschicken, sobald sie fett genug waren 40 ", mit Hadrian eine Aus-nahme gemacht hätten. Einer nach dem andern, war ihr Grund-satz, und jetzt war die Reihe, „den Kelch zu trinken", am reichenHadrian. Man hat zwar gemeint, es wäre doch sonderbar, wennder Papst einen so treuen und brauchbaren Diener wie Hadrian,welchen er erst kurz vorher mit wichtigen Verhandlungen betrautund zum Kardinale ernannt hatte, nun zu beseitigen gesuchthätte 41 . Aber der Papst hatte ja doch seinen eigenen Neffen, denKardinal von Monreale, welchen Cesare „so gern hatte", ge-opfert; seine geschicktesten Gehilfen, Troches, das ver-traute Werkzeug des Papstes, und R a m i r o , seinen Justiz-minister in der Romagna, überlieferte Cesare dem Henker, schonerwartete dasselbe Los sogar den furchtbaren M i c h e 1 o 11 o",und ausgerechnet der Krösus Hadrian hätte verschont bleibensollen? Wo es sich um Borja handelt, sind sentimentale Er-wägungen schlecht am Platze. Razzi berichtet nun zwar,Hadrians zunehmender Einfluß habe Cesares Eifersucht erregtund ihm den Mordplan eingegeben; hierin irrt er jedoch — seinVermögen, nicht sein Einfluß gereichte dem Kardinale von Cor-