Druckschrift 
Peter Delfin : General des Camaldulenserordens (1444 - 1525) ; ein Beitrag zur Geschichte der Kirchenreform, Alexanders VI. und Savonarolas
Entstehung
Seite
314
Einzelbild herunterladen
 

3xi

ZUM LEBEN UND STERBEN ALEXANDERS VI.

giftung der beiden Borja ab und beruhigen sich bei einer natür-lichen Ursache des Todes Alexanders, sei sie nun in einem bös-artigen Fieber oder in einem Schlaganfalle zu suchen 24 .

So ernst jedoch diese Bedenken für den ersten Augenblick aus-sehen, sowenig vermögen sie einer näheren Prüfung standzu-halten. Vor allem genügt der bloße Umstand, daß gleichzeitigeSchriftsteller, welche von der Vergiftung berichten könnten, vonihr nichts berichten, noch lange nicht, um ihre Ungeschichtlichkeitzu erweisen. Denn einerseits konnten sie für ihr Stillschweigenihre besonderen Gründe haben. Anderseits fehlt es doch auchnicht an ebenso gutunterrichteten Zeitgenossen, durch welche diezuletzt noch von Bettini und Razzi wider die Borja erhobeneAnschuldigung des Mordanschlages auf den Kardinal Hadrianvollauf gerechtfertigt wird. Als durchaus begründet stellt sichschon Razzis Vorwurf heraus, Alexander habe viele Kardinäleund Prälaten umbringen lassen, um ihr Vermögen an sich zureißen. Fieberhaft um die Errichtung eines mittelitalienischenKönigreiches bemüht 25 , brauchten die Borja gerade in den ihrerKatastrophe vorangehenden Monaten möglichst viele Truppenund dazu möglichst viel Geld. Um jeden Preis und auf jedemWege suchten sie sich solches zu beschaffen 26 , ohne vor gemein-stem Raub und Giftmord zurückzuschrecken. Die Söldlinge desPapstes drangen in die Häuser wohlhabender Leute ein undräumten sie unter dem Vorwande, die Besitzer seien Juden oderMarranen 27 , vollständig aus. Am 3. Januar 1503 ließ der Papstden Kardinal 0 r s i n i unversehens in die Engelsburg werfenund sein Haus vollständig ausplündern; bis auf das Stroh führteman alles in den Vatikan fort. Die Mutter des Kardinals wurdeaus dem Hause gejagt und behielt nichts übrig, als was sie amLeibe trug; mit einigen Mägden irrte sie verzweifelt in Rom um-her und fand nirgends Aufnahme; denn alles war voller Furchtvor den Borja 28 . Zugleich mit dem Kardinale wurde ein andererOrsini, Jakob von hl. Kreuz, ergriffen und in dieEngelsburg eingeliefert, später aber gegen ein Lösegeld von20 000 Dukaten freigelassen. Aus dem Hause des ständig in Romlebenden Erzbischofs Raynald Orsini von Florenz wurdealles geraubt und in den Vatikan verbracht 20 . Den Leuten, welchedem gefangenen Kardinale Orsini das Essen zu bringen pflegten,wurde der Eintritt in die Engelsburg schließlich verwehrt; zwar