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Peter Delfin : General des Camaldulenserordens (1444 - 1525) ; ein Beitrag zur Geschichte der Kirchenreform, Alexanders VI. und Savonarolas
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DER STURZ DES FR ATE VON LANGER HAND VORBEREITET 281

messenen Gleichstellung seiner Person mit Gott weit entferntwar 23 ; er hätte daher keinen Anlaß gehabt, ihn gar als Anti-christen zu brandmarken, unter dessen Füßen der Erdboden sichhätte öffnen sollen, um den Gotteslästerer zu verschlingen. DenGipfelpunkt der Gehässigkeit erklomm aber Delfin, wenn er dieMahnungen des Frate zum Spenden von Almosen, zum wieder-holten Empfange der Sakramente der Buße und des Altars sowiezur Heiligung des durch Zügellosigkeiten aller Art geschändetenFaschings als Wahnsinn und heuchlerische Ketzerei hinstellte.Daß sich die Arrabbiati und Compagnacci mit Händen undFüßen gegen eine Schmälerung ihrer Lustbarkeiten und Ver-gnügungen sträubten, war ja begreiflich; ein Priester aber undhoher Ordensmann, der ihnen hierinmit Händen und Füßen"beipflichtete, richtete sich damit für immer selbst und nahmseinen Platz in den Reihen der vielen, allzuvielen ein, welche derFrate als die Lauen, Tepidi, zu bezeichnen pflegte und für dasgrößte Unglück der Kirche wie für das schwerste Hindernis einergründlichen Reform hielt 24 . Außerordentlich bemerkenswert istendlich die Mitteilung Delfins, alle seine Besucher die haupt-sächlich aus den Kreisen der Arrabiati und Compagnaccikamen seien mit ihm in der Erkenntnis einig, wenn man mitdem Frate nicht bald schon ein Ende mache, so sei es um siegeschehen. Hieraus ergibt sich aufs klarste, daß die Maßregelnzum Untergange des Frate, die mit der absichtlichen und plan-mäßigen Vereitelung der Feuerprobe und mit dem Sturme aufS. Marco durch die Arrabiati und Compagnacci endeten, von lan-ger Hand vorbereitet und zur Zeit der Abfassung der Zwiege-spräche bereits im Gange waren, ganz im Einklänge mit dem festenEntschlüsse der arrabbiaten Signorie vom März und April 1498,die Zeit auszunützen und die Gelegenheit zum Sturze des Fratenicht mehr zu verpassen. Delfin bestärkte sie in dieser Absicht aufskräftigste. Der Fuchs, erklärte er am Schlüsse seiner Gespräche,darf den Weinberg nicht länger verwüsten. Schon ist die Axt andie Wurzel des Baumes gelegt; nahe ist seine Zeit, bald wirdder Herr kommen und seinen Leuchter verrücken, bald wird derzweite Leviathan mit der Angel herausgeholt, nicht fernesind seine Tage. Nur nicht lange zögern; man muß den Feind zer-schmettern, solange er noch klein und schwach ist, der Baum mußvöllig ausgerottet und ins Feuer geworfen werden!