DELFINS RATLOSIGKEIT
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aber immerhin wenigstens in Italien geschätzten Ordens undkonnte manches zur kirchlichen Erneuerung beitragen, soferne ersie vor allem bei seinen eigenen Untergebenen verwirklichte. Wirsahen aber bereits, wie kläglich er scheiterte, und wie kümmer-lich es überhaupt um seine Reformvorstellungen bestellt war,welche sich für seinen Orden auf Wahrung seiner Unabhängigkeit,für die Kirche auf Herstellung ihrer Freiheit von weltlichen Lastenbeschränkten. Den tiefen Wunden der Christenheit stand er rat-und hilflos gegenüber; er erwartete immer alles nur von denanderen, selbst Hand anzulegen, fiel ihm nicht ein. „Feiger An-beter jeglicher Macht und jeglichen Einflusses 34 ", der nicht einmalseinen Namen in einer Schrift gegen die römischen Greuel duldete,erschöpfte er sich zeitlebens in niedrigem Schweifwedeln vor denGroßen der Erde und konnte sich sogar vor einem so hoffnungs-los verkommenen Manne wie Alexander VI., „dem Christusdes Herrn", nicht tief genug neigen. Zur Entschuldigung gereichtees ihm freilich, daß er mit seiner Gesinnung durchaus nicht alleinstand. So wie er dachten und handelten zur damaligen Zeit un-zählige seiner Berufsgenossen, bis zu den höchsten kirchlichenStellen hinauf — pflichtvergessene Sionswächter, welche zwarmit dem Munde stets nach Reform seufzten, vor jedem ernstlichenSchritt dazu aber aus Angst um ihren Geldbeutel erzitterten. Sowar an eine Neugeburt der Kirche aus sich selbst heraus unter ge-wöhnlichen Verhältnissen nicht zu denken, und es schien sich,wenn auch in anderem Sinne, die Prophezeiung des hl. Bene-dikt 65 erfüllen zu wollen: „Rom wird an sich selbst zugrundegehen" — „Roma in semetipsa marcescet."
B. QUIRIN UND JUSTINIAN.
Wie Q u i r i n und Justinian an religiösem Geiste undkirchlichem Eifer turmhoch über Delfin standen, so ragten auchihre Vorschläge zur Reform der Kirche weit über alles hinaus,was ihr General jemals hierüber zu äußern wußte. Dieser ließsich, so oft er auch den Wunsch nach kirchlicher Erneuerungwiederholte, über die Einzelheiten ihrer Durchführung überhauptnie des näheren aus, sondern beschränkte sich auf dürftige An-is»