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Peter Delfin : General des Camaldulenserordens (1444 - 1525) ; ein Beitrag zur Geschichte der Kirchenreform, Alexanders VI. und Savonarolas
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DELFIN UND DIE KIRCHENREFORM

der Ruhm eines solchen Papstes sein und gewiß nicht geringerdas Glück unserer Zeit. ,Siehe, angebrochen ist nunmehr die hoch-willkommene Zeit, angebrochen der Tag des Heiles!' (2. Kor. 6, 2.).Sehnsüchtig harrten wir des Herrn, und er neigte sich zu unsund erhörte unsere Bitten und zog uns heraus aus der Grube desElends und aus dem Kote des Schlammes' (Ps. 39, 3). Mit Rechtwünschte ich Dir daher Glück, verehrungswürdigster Herr! Wieder Engel des großen Rates wählte er aus Eurer Mitte in geheim-nisvoller Bedeutung sechs aus, auf daß Ihr jene sechs Wasser-krüge seied (Joh. 2, 6 f.), welche zur Reinigung des christlichenVolkes bestimmt und mit dem guten und milden Weine dergeistigen Gnade und himmlischen Lehre erfüllt sind, um derMenschen Herz zu erfreuen."

Es gehörte wirklich der Gipfelpunkt blinder Vertrauensseligkeitdazu, um von einem Menschen mit der Sinnesart und Vergangen-heit eines RoderichBorja, welche dem Generale sicher nichtunbekannt waren, das goldene Zeitalter der Erneuerung derKirche zu erhoffen. Aber gewohnt, die Menschen nicht nach ihreminneren Werte oder Unwerte, sondern nach dem Maße ihrerFreundschaft für Venedig und sich selbst einzuschätzen, rechneteer es dem Papste hoch an, daß er den venezianischen Dingen sogroßes Wohlwollen bezeigte 23b , und verhimmelte ihn, wo erkonnte, obschon gelegentliche Äußerungen verrieten, daß er überdie römischen Ärgernisse wohl unterrichtet war.Du denkst vomPapste", schrieb er an seinen Onkel 24 ,wie viele andere. Wennes dem Herrn gefällt, so wird er uns einen Erlöser und Vorkämp-fer schicken und uns herausreißen aus der Grube des Elends undaus dem Kote des Schlammes" (Ps. 39, 3). Aufs feierlichste ver-wahrte er sich gegen den Vorwurf, als lasse er es gegenüber demPapste, der doch der Herr aller sei und mit welchem seine Knechtenicht rechten dürften, am nötigen Gehorsame fehlen. Niemals seies ihm eingefallen, den Worten des Heiligen zu widersprechenoder seiner Heiligkeit, für welche er die tiefste Verehrung hege,die Stirne zu bieten; er denke gar nicht daran, sich dem oberstenPriester, dem Christus des Herrn, zu widersetzen 26 . Delfin fandes auch ganz an der Ordnung, daß der Papst nicht nur die Send-linge der Katharina Sforza, Herrin von Forli, welche ihnangeblich mit vergifteten Briefen hatten aus dem Leben räumenwollen, sondern auch die Urheberin dieses Anschlages selbst der