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Peter Delfin : General des Camaldulenserordens (1444 - 1525) ; ein Beitrag zur Geschichte der Kirchenreform, Alexanders VI. und Savonarolas
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DELFIN UND DIE POLITIK

den grimmigsten Feinden und stiften überall Verwüstung undElend an. Es mag sein, daß sie von Gott gesandt sind, zur Züch-tigung der Bösewichte nämlich; daß aber Gott mit ihnen sei, wer-den alle jene nicht glauben, welche ihr unmenschliches, gottlosesund wildes Benehmen zu beobachten Gelegenheit hatten, wer-den mir doch Tag für Tag von Bürgern und Landleuten haarsträu-bende Dinge berichtet. Gott behüte Italien vor einem so herrsch-süchtigen, rasenden Volke! Die Florentiner sind milde, gutmütige,umgängliche Leute, aller Gewalttätigkeit abhold; und doch fehltewenig, so hätten sie, von den Unbilden der Franzosen unaufhör-lich gereizt, die Geduld verloren."Die ersten drei Tage", meldeteDelfin einem Freunde 10 ,ging noch alles gut. Dann aber am vier-ten stellte der König in der Vertragsverhandlung die Forderungder Zurückberufung Peters, ein Begehren, welches einen Schreider Entrüstung und Trauer unter der Bürgerschaft auslöste. Vonnun an betrachtete man des Königs ganzes Gebaren mit Argwohnund Mißtrauen, und die Beschwerden über die Frechheit derFranzosen nahmen kein Ende mehr. Es bedurfte der äußerstenKlugheit und Selbstbeherrschung der Behörden, um das Volk vonAngriffen auf die verhaßten Eindringlinge zurückzuhalten. Nichtgeringere Empörung rief das Verlangen des Königs hervor, beiseinem Abzüge einen Stellvertreter mit der Befugnis zurückzulas-sen, allen Sitzungen und Beschlüssen der Signorie anzuwohnen,was als ein Anschlag auf die Freiheit und Unabhängigkeit derStadt empfunden wurde."Wäre ich nicht selbst zugegen ge-wesen," schrieb Delfin an B a r o z z i 17 ,so hätte ich es nie fürmöglich gehalten, daß sich die Franzosen so schmählich auf-geführt hätten. Man hielt es für ein wahres Wunder, daß es nichtzu einem schrecklichen Blutbade zwischen den Truppen und dervon ihnen aufs äußerste herausgeforderten Bürgerschaft kam.Aber freilich, es wurde damals auch viel gebetet und gefastet, undso erbarmte sich der Herr seiner Stadt. Noch niemals schwebteFlorenz in solcher Gefahr wie zur Zeit der Anwesenheit des feind-lichen Heeres, welchem der König dem Vernehmen nach verhieß,er wolle ihm die reiche Stadt zur Plünderung überlassen 18 . Ichflößte den vielen Leuten, welche mich besuchten, Trost ein undforderte sie auf, Gott für ihre Rettung den gebührenden Dank zusagen. Und wirklich kommt mir die Stadt wie verwandelt vor, einzweites Ninive, welches sich auf die Predigt des Jonas bekehrte.