Druckschrift 
Peter Delfin : General des Camaldulenserordens (1444 - 1525) ; ein Beitrag zur Geschichte der Kirchenreform, Alexanders VI. und Savonarolas
Entstehung
Seite
190
Einzelbild herunterladen
 

igo

DIE BRIEFE

\

I

I

noch im Werden begriffen ein alphabetisches Personen-verzeichnis an, wobei er sich, wie er selbst bemerkte 5 , gar man-ches wieder ins Gedächtnis zurückrief, was ihm im Laufe derJahre entfallen war. Im Jahre 1520 erbot sich ihm der EinsiedlerJustinian von Bergamo, seine Briefe in verbesserterGestalt dem Drucke zu übergeben 6 , ein Vorschlag, der jedochnicht zur Ausführung kam. Mehr Erfolg hatte das Anerbietendes Priors von Oderzo bei Padua, die Kosten für den Druck einesTeiles der Briefe zu tragen 7 . Jakob von Brescia, einbesonderer Verehrer des Generals, Schüler des früh verstorbenenBernhardin Gadolo, war zum Mäzen allerdings wie ge-schaffen, da er als Inhaber einer der fettesten Ordenspfründenmit Geld reich gesegnet war. Noch vor kurzem war er mit Müheeinem mörderischen Anschlage entronnen, welchen habgierigeMönche von S. Michael auf ihn unternommen hatten 8 ; und als er1539 starb, hinterließ er ein so großes Vermögen, daß Paul III.durch Breve vom 30. Januar 1539 verfügte, es dürfe nur zurHälfte an einen Verwandten fallen, die andere Hälfte müsse fürden Türkenkrieg verwendet werden 9 . Ursprünglich hatte Delfin,obschon seine Briefe, seiner eigenen Erklärung gemäß, dazudienten, der Nachwelt Kunde von den Ordensbegebenheiten zuhinterlassen 8 ", mit Rücksicht auf ihren meist unerfreulichen In-halt 01 ', welcher Übelgesinnten leicht zum Anstoße gereichenkonnte" 0 , von ihrer Sammlung und Veröffentlichung nichts wissenwollen, um nicht der Verleumdung zum Opfer zu fallen 9d . DiesesBedenken ward jedoch hinfällig, wenn er selbst eine vorsichtigeAuslese traf, und da Prior Jakob hiermit einverstanden war, sonahm Delfin sein Angebot freudig an. Um den Drucker nichtfeiern zu lassen, stellte er andere, weniger dringende schriftstelle-rische Arbeiten zurück und machte sich sofort mit Feuereiferan die Durchsicht seines gesamten massenhaften Briefverkehrs,eine beschwerliche und mühevolle Arbeit, wie er sie nannte 10 .Der Maßstab, welchen er bei seiner Auswahl anlegte, ist schwerzu erkennen. Man möchte freilich vermuten, er habe sein Augen-merk vor allem auf die Briefe geworfen, welche den wichtigstenInhalt hatten und das hellste Licht auf die Zeitereignisse inKirche und Welt warfen 11 . Indes kann dieser Gesichtspunkt denVerfasser unmöglich geleitet haben, da die uns von ihm vor-gelegten Schreiben zum guten Teile ohne allgemeine Bedeutung

I