HIERONYMUS VON PRAG
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Beobachtung der Ordensregel aufwiesen, war es begreiflich, daßTraversari an einer Besserung zuletzt ganz verzweifelte 32 . Undnicht etwa nur er sah die Dinge so schwarz. Hieronymusvon P r a g 33 , der ehedem unter den heidnischen Litauern alsMissionär gewirkt hatte und später in der hl. Einsiedelei als Ein-geschlossener lebte (f 1440), machte sich über die weibischeHoffart und Eitelkeit der Mönche und Einsiedler lustig, welcheimmer nur die kostbarsten Gewänder aus feinstem Tuche tragenund sich an Fleisch und Wein gütlich tun wollten. Sie berufensich dabei auf den Arzt, wie sie denn für alles eine Ausredehaben. „Gemüse, sagen sie, verursachen Blähungen, Käse be-schwert den Magen, Milch schadet dem Kopfe, Wasser verträgtdie Brust nicht, Blumenkohl befördert die Schwermut, Schweine-fleisch entzündet die Galle, Fische aus schlammigem Wasser be-kommen nicht gut, gesottene Eier gehen ins Blut. Kurz, in allenFlüssen, Feldern, Gärten und Kellern ist kaum etwas aufzu-treiben, was Mönchen paßte; seitdem sie die Kutte tragen, leidensie auf einmal an schwachem Magen und lassen sich bei Tischedie feinsten Weine bis zur Sättigung munden. Wer hätte einstbei Beginn unseres Ordens gedacht, daß sich seine Söhne zusolchen Schlemmern auswüchsen 34 !"
Als grünende Oasen ragten inmitten der unfruchtbaren Wüsteallgemeinen Verderbens einige wenige Klöster hervor, welche denHauptsitz und letzten Trost der Gutgesinnten bildeten. Im Herr-schaftsbereiche der mächtigen Handelsstadt Florenz gelegen undschon aus wirtschaftlichen Gründen zu regem Verkehre mit ihrenKauf-, Bank- und Ratsherren gezwungen, konnte Camaldoli hiereine Niederlassung nicht auf die Länge entbehren; überdiesnahmen viele reichen Florentiner, selbst frühere Wucherer, inalten Tagen zum Kleide des hl. Romuald ihre Zuflucht. Dieserstarke florentinische Einschlag sowie die wachsende Bedeutungder Stadt selbst bewirkten, daß der wirtschaftlich bedeutendeOrden viel mehr als nach dem benachbarten Arezzo nach Florenzneigte und hier mit der Zeit mehrere stattliche Häuser gründete,welche ihm selbst ebenso wie der Bürgerschaft zum Segen ge-reichten 35 . Das älteste war das um 1104 noch vor der Stadtmauererrichtete Kloster, nach seiner wohl schon früher erbauten KircheS. Salvator, nach seinen Insassen das „Camaldoli von Flo-r e n z" genannt, welches, als sich die Stadtmauer später er-