DIE ERSTEN JÜNGER
2 3
B. VON ROMUALD ZU DELFIN.
Nichts legte von dem ernsten Geiste, welcher die unmittelbarenSöhne Romualds beseelte, beredteres Zeugnis ab als der brennendeEifer, welchen sie über den Tod ihres geistigen Vaters hinaus zu-nächst noch immer entfalteten. So groß war in den ersten Jahr-zehnten die fromme Begeisterung, daß sich die Brüder mit den her-kömmlichen Bußübungen gar nicht begnügten, sondern geradezuerfinderisch in neuen Selbstpeinigungen waren 1 . Tag und Nachtwiderhallten Bethaus und Zellen vom dumpfen Klatschen derRutenhiebe, welche auf den entblößten Rücken der Büßer nieder-prasselten. Man verband das Psallieren mit zahllosen Knie-beugungen, Metanöen 2 ; oder man streckte die Arme kreuzweiseaus oder reckte die Hände empor, bis sie die Decke berührten. Manlegte sich einen Bußgürtel mit spitzigen Nägeln um oder zwängteden Leib in einen eisernen Harnisch, und was dergleichen Quäle-reien mehr waren. Freilich war das nun eine Frömmigkeit eigenerArt, ganz dazu angetan, die Religiosität zu vergröbern und zu ver-rohen. Sie lag aber durchaus im Sinne jener rauhen Gemüter,die, für eine Anbetung „im Geiste und in der Wahrheit" nochnicht reif, handfeste Leistungen liebten und sich, dem beschwer-lichen irdischen Kriegsdienste entrückt, dem noch entsagungs-volleren himmlischen Kriegsdienste wider den heimtückischenHöllenfeind hingaben. Gewiß ist, daß der Wandel der Einsiedlerden Gläubigen zur größten Erbauung gereichte. Bischof Theo-d a 1 d von Arezzo gab wenige Wochen nach dem HinscheidenRomualds dem Prior Peter Dagnin von Camaldoli und seinenGenossen die Kirche, welche er selbst zuvor auf Ersuchen Ro-mualds, „des frommen Vaters der Einsiedler", wie er ihn nannte,zu Ehren des Erlösers eingeweiht hatte, mit weiteren Zuwendungenan Grund und Boden zu eigen, mit dem ausdrücklichen Vorbehalte,daß es den Brüdern niemals gestattet sei, das einsiedlerische undbeschauliche Leben aufzugeben oder den heiligen Ort in einKloster zu verwandeln 3 . Bischof E m m o aber bestätigte zehnJahre später die Schenkung seines Vorgängers nicht nur, sondernerweiterte sie noch erheblich und spendete den Einsiedlern dasLob, sie seien Gottes voll, vom Feuer göttlicher Betrachtung ent-flammt, von heiligem Eifer entbrannt und nur dem Dienste des
■