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DER HL. ROMUALD UND SEIN ORDEN
liehen Befehl Gottes hin wagte er, dem Altare wieder zu nahen".Eine Psalmenauslegung, welche er, seiner Versicherung gemäß,ebenfalls auf göttliche Weisung hin übernahm, inhaltlich aberfast Wort für Wort aus Cassiodor entlehnte 88 , sowie verdoppelterEifer in Büß Übungen aller Art stellten sein schwer erschüttertesAnsehen wieder her; man vergaß den Sünder und bewunderte denBüßer. Und wie hätte man an seiner Gottgefälligkeit zweifelnkönnen, wenn man ihn in so seltenem Maße mit der hohen Gabeder frommen Tränen begnadet sah! Wie oft sah man ihn, einemSeraph gleich, im göttlichen Liebesfeuer erglühen, in der Ver-zückung zu Gott erhoben! Wie oft zerfloß er bei Betrachtunghimmlischer Dinge in Zähren, so daß er sich nicht mehr zu fassenund in überschwenglicher Liebesinbrunst nur mehr zu stammelnvermochte: „Lieber, lieber Jesus, süßer Seelenhonig, unaussprech-liche Herzenssehnsucht, Wonne der Engel und Heiligen 88 !" Augen-blicke solch berauschender Jesusmystik entschädigten reichlichfür die schmerzlichen Zeiten der Trockenheit und Geistesdürreund eröffneten den Jüngern eine Ahnung von der Seligkeit jener„christlichen Philosophie 80 ", welche alle weltliche Philosophieweit hinter sich ließ. Nun hatten die Angriffe der Dämonen, welcheden einsamen Klausner, besonders seit seiner Rückkehr ausGallien, in Gestalt von Raben, Geiern und sonstigen wilden Tiereneinzuschüchtern und zur Rückkehr in die Welt zu bewegen such-ten 90 , alle Schrecken verloren; der heilige Geist überwand denunheiligen und verlieh ihm zu Wundertaten die Kraft, welchesein Ansehen beim Volke ins ungemessene steigerten 91 . Ohnehinmachte er in seinem weißen, wallenden Mönchsgewande, mit demstruppigen Barte, mit den von ewigem Fasten und Wachen ein-gefallenen, totenblassen Wangen, mit den tiefliegenden Augen-höhlen, aus welchen wie versengende Blitze feurige Blicke zuck-ten, auf die Gläubigen unwillkürlich den mächtigsten Eindruck.Er hatte die Gnade, daß in seiner Gegenwart alle Sünder, beson-ders die vornehmen, wie in der Gegenwart Gottes zu zittern und zubeben begannen. „Kein Kaiser", sagte der Markgraf Rainer vonTuszien 02 , „vermag mir solche Furcht einzujagen wie Romuald."So wirkte schon seine äußere Erscheinung erschütternder als dieerschütterndste Predigt und gewann ihm überall gleichgestimmteSeelen, zumal da er stets eine heitere Miene zur Schau trug 9 '. Dochunterließ er es nicht, allenthalben, wohin er kam, auch mündliche