Druckschrift 
Peter Delfin : General des Camaldulenserordens (1444 - 1525) ; ein Beitrag zur Geschichte der Kirchenreform, Alexanders VI. und Savonarolas
Entstehung
Seite
17
Einzelbild herunterladen
 

VORZUG DER EINSIEDELEI VOR DEM KLOSTER

x 7

aufgegangen war. Als er einst bei Tivoli auf einen heiligen Mannnamens Venerius stieß, welcher das Kloster um der ewigen Hän-seleien seiner Mitbrüder willen verlassen hatte und nun schon seitsechs Jahren nach eigenem Ermessen in der Einsamkeit lebte,belehrte er ihn: „Wenn du das Kreuz Christi trägst, so darfst duden Gehorsam nicht außer acht lassen. Kehre also zurück, suchedie Einwilligung deines Abtes nach und beuge dich demütig seinemGebote! 08 " Entrüstet verließ er die Einsiedler von Bifurco, als siesich weigerten, sich einen Abt zu wählen und alles gemein zuhaben 69 . Er verlangte aber auch von einem Obern, daß er überder Sorge um die andern sich selbst nicht vernachlässige und seine.Zelle nicht vergesse, sondern die Woche in ihr verbringe und nuran Sonn- und Festtagen zur Ermahnung der Brüder ins Klosterzurückkehre 70 . Weit entfernt, das Kloster gering zu schätzen,ersparte er, wie wir schon sahen, seinem eigenen Vater die Schlägenicht, um ihn vor der Rückkehr in die Welt zu bewahren. Fürkein geringeres Unglück erachtete er aber die Rückkehr von derEinsiedelei ins Kloster, und er war zu den größten Zugeständ-nissen bereit, wenn es galt, den Rückfall eines die Strenge derEinsiedelei nicht ertragenden Bruders ins Kloster zu verhüten.„Wenn nur", erklärte er oftmals 71 , ,,ein Bruder seine Zelle nichtverläßt, so mag er im Notfalle und in bescheidenem Maße sogarFleisch genießen." Und er fügte bei: v Von der Einsiedelei insKloster zurückkehren, das heißt fast soviel, wie vom klösterlichenins Weltleben zurücksinken. Wer daher einer Einsiedelei vor-steht, der muß die Leistungsfähigkeit jedes einzelnen sorgfältigprüfen und jedem seinen Anteil, je nach seinen Kräften, zumessen.Am besten ist es, wenn alle mit demselben Maße auskommen.Vermag aber der eine oder andere mit dem, was für die Gesundengenügt, nicht zu bestehen, so stecke man dem Schwachen heimlicheiniges zu, ohne den Neid der Gesunden zu erregen oder ihrenEifer zu schwächen. Denn was etwa zufällig einem vonnötenist, das braucht nicht gleich zur Regel für alle zu werden, da der-selbe Bruder, welcher heute unsere Nachsicht in Anspruch nimmt,ein andermal ihrer nicht mehr bedarf."

So verständig und nachsichtig solche Grundsätze waren, so warRomuald doch nicht der Mann zur praktischen Durchführungseiner Reformideale. Es mangelte ihm an der ersten und nötigstenEigenschaft zur Verwirklichung einer so schwierigen Aufgabe, an

2 Schnitzer, Peter Delfin

: