OTTO III. IN PEREUM
am Morgen, als die Sonne dem Meere wieder entstieg, beendetward. Dann nahm er den widerstrebenden Einsiedler mit sich nachRavenna in seine Pfalz und nötigte ihm die Abtei von St. Apolli-nare auf, da ihm die Reform dieses Klosters sehr am Herzen lag 28(Frühjahr 998). Wohl war dieses schon 972, also unmittelbar vorRomualds Eintritt, durch den berühmten Majolus vonC 1 u n y reformiert worden 20 . Aber diese Reform war offenbareine recht äußerliche geblieben, jedenfalls war die kluniazensischeOrdnung in St. Apollinare nicht eingeführt 30 . Kaum hatte nun Ro-muald sein dornenvolles Amt übernommen, als er sich auch schonüberzeugen mußte, daß die Verhältnisse noch immer dieselbenwaren wie zur Zeit seines Noviziats, daß noch immer dieselbe Un-gebundenheit herrschte, noch immer dieselbe Unbotmäßigkeit undVerstocktheit. Zwar ließ der neue Abt nichts unversucht, um diealte Ordensregel wieder zu Ehren zu bringen, ohne Ansehen derPerson, ohne Rücksicht auf vornehme Abstammung oder großeGelehrsamkeit rügend und strafend. Da er aber gewahrte, daß esstatt besser nur immer schlechter gehe, so verließ er, an allem Er-folge verzweifelnd, das Kloster zum zweiten Male und diesmal fürimmer, und warf dem Kaiser und dem Erzbischofe von Ravennaan seiner Seite den Hirtenstab unwillig vor die Füße 31 . Dann abereilte er „einem Flüchtigen ähnlich" nach Montecasino zum Be-suche seines getreuen Jüngers Johannes Gradenig o 32 . Erkam hier an, wie ein Engel vom Himmel ersehnt. Gradenigo hattedie Bekanntschaft eines jungen Mannes namens Benediktaus Benevent gemacht, welcher sein Heil ebenfalls zuerst imKloster gesucht, dieses dann aber, angewidert durch das ärger-liche Treiben der Mönche, bald wieder verlassen und mit der Ein-siedelei vertauscht hatte. In seiner Unerfahrenheit bat er den älte-ren Genossen Gradenigo um Rat und Hilfe und erhielt von ihmdie Auskunft, alle seine guten Lehren verdanke er seinem frühe-ren Meister Romuald, „dem ersten in gegenwärtiger Zeit, welcherdas Einsiedlerleben nicht nach eigenem Gutdünken, sondern denGesprächen der Einsiedlerväter gemäß in den schönen, erhabenenund durch Demut großen Dingen führte und uns im rechten Wegeunterwies." Benedikt brannte vor Begierde, einen so bewährtenSeelenführer auch selbst kennenzulernen, und kaum hatte er er-fahren, der gefeierte Gottesmann sei bei Johannes Gradenigo ein-getroffen, als er unverzüglich herbeieilte und nicht mehr von sei-
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