Druckschrift 
Rheinwein : Bau, Pflege und Ernte des Weines im Rheingau und Rheinhessen ; mit ... einem Verzeichnis der Trauben-, Most- und Wein-Einkäufe seit 1874
Entstehung
Seite
28
Einzelbild herunterladen
 

28

hat. Die grösseren Weingutsbesitzer haben sieh wenigstens fastmeist derartige fahrbare oder tragbare Traubenmühlen bereitsbeschafft.

Da die Mostbrühe häufig sofort vollständig bearbeitetwird, geschieht das Geschäft des eigentlichen Kelterns oft desNachts, wofür die Legelträger eine Extravergütung erhalten.Die Mostbrühe darf, nach bisher herrschender Ansicht, durchausnicht lange in den Bütten mit den Trauben zusammenstehen,weil sonst vorzeitige Grährung eintritt. In neuerer Zeit habenrationelle Producenten die sofortige Kelterung aufgegeben. Dader Sitz der bouquetbildenden Stoffe in der Epidermis derTraubenhülsen sich befindet, so gehen solche zum grössten Theilungenutzt verloren wenn man sofort keltert und nicht den Anfangder Gährung abwartet, um so alle Bouquetstoffe zu verwerthen.Ausserdem wird durch das Abwarten der ersten Gährung dasMostquantum sehr vermehrt. Einladend sieht der junge Mostnicht aus, aber wir wissen ja, dass derselbe bis er auf unsereTafel kommt, verschiedene Gährungs- und Klärungsprocesse durch-macht, dass er erstfederweiss" ein kitzelndes Lieblings-getränk des Rheinländers wird und dann erst seine goldhclleoder dunkelrothe. Farbe erhält.

Im Rheingau beginnt die Lese erst dann, wenn der Thauvollständig abgetrocknet ist. Auf der linken Rheinseite findetdie Lese stets einige Wochen früher statt und Rücksicht aufden Thau wird dort fast niemals genommen. Häufig werdendort auch zur Benutzung in den Champagnerfabriken, die Traubenzu Ciaret (weiss gekelterter Rothwein) verwendet und es empfiehltsich hier sogar, die Trauben möglichst mit dem Thau zu lesen.

Einige Worte über die Kelterung dürften noch am Platzesein, um unsere Schilderung zu vervollständigen.

Wie wir schon andeuteten, geschieht die Zerkleinerung derTrauben am häufigsten schon im Weinberg. Doch auch nachHause gebracht, bleibt die Trauben- und Mostmasse so langestehen, bis die Gährung beginnt, damit die in den Hülsen ent-haltenen Bcuquettheile gänzlich ausziehen. Je nachdem dieWitterung wärmer oder kälter, tritt die Gährung früher oderspäter ein, gewöhnlich nach etwa 34 Tagen, worauf dann