Druckschrift 
Rheinwein : Bau, Pflege und Ernte des Weines im Rheingau und Rheinhessen ; mit ... einem Verzeichnis der Trauben-, Most- und Wein-Einkäufe seit 1874
Entstehung
Seite
27
Einzelbild herunterladen
 

27

schiedenartigen Bouquet die Hauptlagen des Kheins und diebetreffenden Jahrgänge. Der ächte Rheinwein darf weder Kopf-weh noch Hitze, weder Uebelbefinden noch Magenkatarrh er-regen Verstimmung nach dem Genüsse rheinischen Gewächsesist der beste Beweis von schlechtem oder zurechtgemachtemRheinweine.

Die freudige Stimmung während des Geschäfts der Leseherrscht auch in den umgebenden Wingerten vor. Aus derNachbarschaft kommen Weinbergsbesitzer, kosten und prüfenTrauben und Most. An den fahrbaren Wegen stehen grosseBottiche, in welche der Inhalt der sogenannten Legel entleertwird. Legel nennt der Winzer eine unten spitz zulaufende,oben breitere, elliptisch geformte Holzbiitte, welche an zweifesten Lederriemen auf dem Rücken getragen wird. In dieseLegel entleeren die Winzerinnen ihre kleineren Bütten undGefässe. Der Legel fasst etwa 108 Pfund Trauben. 30 Legelgeben in der Regel ein Stück Wein (1200 Liter). Dies istwenigstens der maassgebende Anschlag im Handel, wiewohl diewirkliche Ausbeute nach Verschiedenheit der Traubensorten sehrwechselnd ist. Das geringste Quantum von Mostbrühe lieferndie Riesling, das grösste die Orleans und Oestreicher (Sylvaner).Je nach der Oertlichkeit werden die schweren Legel auch häufigbis hinunter ins Kelterhaus geschleppt. Vorher bearbeitet derLegelträger, der ob seiner schwereren Arbeit, wie wir oben- an-deuteten , besser bezahlt ist, mit zwei Mostkolben (nahe einMeter lauge Knüppel von weichem Holze) im Legel selbst dieganze Traubenmasse. Eine kreuzweise schnelle Bewegung dieserbeidenMostertkolben", erzeugt in dem Legel den ersten Ueber-gangszustand zur flüssigen Masse. Eine braungelbe oder dunkel-rothe, nichts weniger als klare Brühe, bildet sich hier und wirddann in die Bottiche geschüttet.

In früheren Zeiten wurden die Trauben, statt in den Legein,in einem grossen Bottich (Bütte) von Winzern mit hüfthohenStiefeln getreten und geknetet, d. h. zusammengedrückt, währendsich in neuerer Zeit das wesentlich appetitlichere, sauberere Ver-fahren die Trauben mit Hülfe von sogenannten Trauben-mühlen zu zerstücken und zu verkleinern, überall eingebürgert

E

i

n\