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In den Weinbergen ersten Ranges werden die Trauben ineinzelnen Beeren mit einer Gabel ausgestochen, abgebeert, aus-gepflückt; der ZuckerstofF ist hier so vorwiegend, dass dieBeeren leimartig an den Fingern kleben, ein Umstand, der dieArbeit sehr erschwert. Die Trauben selbst erinnern nicht imEntferntesten mehr an die schönen üppigen Tafeltrauben prun-kender Gastmahle, sie sind entstellt, unansehnlich, „verhutzelt"und wenig zum Genuss einladend. — Die Winzerinnen undWinzer erhielten im Rheingau früher 24 Kreuzer und „zweiWeck" (Semmel) täglich, in der Gegend von Lorch und rheinab7 Silbergroschen und „einen Weck" per Tag, in den letztenJahren bekommen sie etwas mehr, während die sogenanntenLegelträger (von denen wir noch sprechen werden), welche auchdas „Mosten" besorgen, oft über 2 Mark und volle Natural-verpflegung nebst mehreren Schoppen Wein täglich erhalten.Dabei ist sämmtlichen Winzern der Genuss von Trauben edlerLagen untersagt; häufig erhalten sie für diese erzwungene Ent-haltsamkeit eine besondere Vergütung. In weniger guten Lagenist das Geschäft der Lese allerdings bequemer und die eigent-liche „Auslas" im Sinne des Rheingauers fällt hier hinweg.Mit Hilfe des Rebmessers oder der starken, kurzen und scharfenTraubenscheere werden die Trauben „mit Dreck und Speck"vorsichtig vom Stocke getrennt. Die Traube selbst hält derWinzer in der hohlen Hand, damit keine Beeren herabfallen;geschieht dies dennoch, so fängt eine hölzerne Schüssel, Kübel,Bütte oder ein Korb die entfallenden Beeren auf. Viele Winzerpressen bei der Kelterung die Trauben doppelt, indem sie denersten Vorlauf, der die Beerenhülsen und Stiele nicht berührt,gesondert halten, ehe sie die Kelter auf die ganze Masse wirkenlassen.
Unantastbar ist der Ruf des Rheinweines, unvergleichlich sindseine wunderbaren Eigenschaften, sein Bouquet, jenes flüchtigeGährungsproduct, welches nur dem Rheinwein eigen ist, und welcheswir bei sämmtlichen Weinen südlicher Gegenden vermissen. NachAmerika, Ungarn etc. ausgeführte rheinische Rebsetzlinge kommendort in gleicher Weise nicht auf. Der ächte rheinische Wein-kenner unterscheidet in Wahrheit mit der Zunge an dem ver-