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Rheinwein : Bau, Pflege und Ernte des Weines im Rheingau und Rheinhessen ; mit ... einem Verzeichnis der Trauben-, Most- und Wein-Einkäufe seit 1874
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Der rheinische Winzer sieht, wie bereits erwähnt, zumeist aufdie Güte des zu erzielenden Weines und zwar durch Pflanzungedler und dem jeweiligen Boden entsprechender Bebsorten, durchsachgemässe Pflege des Weinstockes und richtigen Schnitt derBeben, durch häufige Bodenlockerung, durch Spät- und Ausleseund genügende Düngung, welche letztere wieder genau den Boden-verhältnissen entsprechen muss. Die Pflege des Weinstockes hatsich zu einer, wir möchten sagen, Fachwissenschaft herausge-bildet, und eben dieser Fachwissenschaft verdankt der Rhein dieVeredelung seines Gewächses und seines Weines.

Von Einfluss ist die örtliche Höhe der Weinberge. Immittleren Rheinlande erheben sich die Wingerte nicht mehr als30 70 Meter über die Thalsohle, während sich dies Verhältnissin fast allen weinbautreibenden Gegenden Deutschlands wesentlichungünstiger stellt. Bei Bacharach beispielsweise beginnt derWeinbau ca. 60 Meter über Meer und erhebt sich am Mittel-rheine bis zu nahe 150 Meter; im eigentlichen Rheingau ist dieoberste Grenze ungefähr 240 Meter über dem Meere und 160bis 165 Meter über dem mittleren Wasserstand des Rheines.

Der beste und edelste Wein wächst nicht, wie der Laiehäufig annimmt, auf der obersten Höhe der Weinberge, sondernzumeist am Fusse und im mittleren Hange derselben, währendsich die Lage nach der Höhe, d. h. nach der Spitze der Bergezu eher verschlechtert.

Der Boden alter und vielbebauter Weinberge wird, wie obenmitgetheilt, erst nach mehrjähriger Ruhe und Bepflanzung mitanderen Früchten, bei neuer Anrodung (Rottung) häufig bis dreiMeter tief gebracht und der weniger erschöpfte Urboden auf dieOberfläche gefördert. Terrassenbau und Mauerungen noth-wendig zum Schutz vor Winden und Besserung der Sonnenlagetreten hinzu.

Im Rheingau wird nicht selten bei der Rottung der Bodenin Letten, Kies und Sand gesondert und dann gleichmässig indem Wingert vertheilt. Dabei übt die geringste Abweichung derLage, der Bebauung oder der Rebsorte einen so bedeutendenEinfluss auf den Wein selbst aus, dass die Preise des Gewächsesaus benachbarten Weinbergen um Tausende von Mark differiren.