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hat der Norddeutsche keinen Begriff. Es scheint, dass der Weinschon am Stock und während er gelesen wird, eine fröhlicheStimmung zu erzeugen im Stande ist. Zwei vermögende Wein-händler und Weinbergsbesitzer gehen vor uns her — vielleichtzur Zeit die Dienstherren der jauchzenden Mädchen ? — das giltindess gleich. Sie werden geneckt und „geuzt" so recht nachNoten, denn während einzelne der Winzerinnen ihren Scherz mitden Herren treiben, singt der grosse Haufen wohlklingende, drei-stimmige Volkslieder.
Die Herren laden uns ein, den nächsten Weinberg mit ihnenzu besuchen. Viel Umstände pflegt man in der Lesezeit undauch sonst wohl am Khein mit derartigen Einladungen nicht zumachen. „Gut gemeint und herzlich gegeben" ist des Rhein-länders Wahrwort.
Wir treten ein. Eine Gruppe fröhlicher Mädchen, Frauenund munterer Kinder, die in der Lese gleichfalls rüstig Handanlegen müssen, empfängt uns. Ein Blick hinunter auf den herr-lichen Strom mit seinen lachenden Ortschaften, ein Blick aufdie frischen fröhlichen Gesichter, und unsere eigene Stimmunggibt der heiteren der Winzerinnen nichts nach.
Vor uns, auf sanft anstrebendem Hügel, in fast peinlicherOrdnung und in gleichmässigster Entfernung von einander, stehensie, die leibhaftigen, lebendigen Thyrsusstäbe, halb schon derrauhen Witterung ihren Tribut zollend, denn zum Theil habensie das Saftgrün ihres Blätterschmuckes mit einem intensivenGelb vertauscht. Ueber die „Wingerte" (Weingarten) hinaus,ragt der zinnengeschmückte Bergfried eines mittelalterlichenBurgrestes.
Sehen wir selbst von der herrlichen Aussicht ab, die unsweithin den Lauf des Eheines zu verfolgen gestattet, die schallen-den Gesänge bewahrheiten so recht den poetischen Gedanken,den Carl Haltaus im „Kreislauf des Weines" verewigt:
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Und im nächsten Frühling wieder,
Senken sieh die Lieder fein —
Auf die lieben Beben nieder,
Blüh'n und werden wieder Weinl"