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Aus dem alten Münster : Erinnerungen, Skizzen und Studien
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hingen die Käfige der Wiedertäufergebeine als grausigesWahrzeichen. Ein Abbruch des Turmes war freilich unver-meidlich. An seine Stelle trat ein korrektes Gegenstück zuden Türmen der beiden größten deutschen Pfarrkirchen, derin Freiburg in BreiSgau und in Ulm. Doch im Gegensatze zudiesen prägte sich, wenigstens meinem Gedächtnis, kein Bilddes Ganzen oder auch eines Teiles ein. Der Turm hat zuwenig Eigenartiges. Er ist sicher ein in sich überdachtes Kunst»werk, aber ich ziehe die alte Silhouette vor. Sie hatte Be»wegung, Leben, Geschichte!

Der Prinzipalmarkt teilt mit dem Bonner Markte einenVorzug, der freilich im Zeitalter des Automobiles eher einNachteil genannt werden kann. Es kommt auf den Gesichts»punkt an! Man sieht in viele Straßen hinein, ohne aber jeihre Tiefe zu ergründen. Der Bonner Platz stellt sich, von derRathaustreppe gesehen, wie ein Zimmer dar. Man mußeinmal an diesem beherrschenden Punkte am Ende einesstudentischen Fackelzuges gestanden haben, wenn die Stuben»ten durch den Pechrauch ihre brennenden Fackeln in hohemBogen zusammenwarfen.

Auch die münstersche Illumination sucht ihresgleichen.Der Schwung der Lampions an den Reihen der Bögen ruftden Beschauer zum Wandern auf, um all die Giebel zu be»trachten, die schwankend beleuchtet, sich gegen den dunklenNachthimmel abhebend, phantastische Gestalten annehmen.

Die neuere Zeit hat durch den Turmbau des städtischenVerwaltungsbaus der Lambertikirche einen reizenden Gegen»pol gegeben. Für den Marktplatz ward die Unregelmäßigkeitdes gegebenen Raumes zum Segen. Nicht klügelnder Ver«stand schuf ihn, nicht mathematische Erwägung. Die romanischeKunst kannte das noch nicht. Die Erbauer wiesen aber schonden Weg zur Gothik, zum Aufstreben der Einzelgiebel zum

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