Die zweite, die folgte, war die Revolution von 1848. Dieabermals in Frankreich ausgebrochene Revolution hielt es fürihr gutes Recht, in das neutrale Belgien vorzustoßen. DerEinfall von Risquons tous endete mit einer Niederlage. Diefranzösische Regierung bestritt jede Mitschuld, England undPreußen erklärten sich sehr energisch für die Aufrechterhal-tung der Neutralität.
Die dritte Krisis war die des Krimkrieges. Das mit Frank-reich verbündete England wollte damals auch Belgien zumKriege gegen Rußland veranlassen. Regierung und Volksver-tretung Belgiens hielten sich völlig neutral 2 ).
Die vierte ist die des Kampfes um die Herrschaft in Ober-italien 1859. Die Neutralität Belgiens ward nicht direkt bedroht.Dieses Mal aber forderte der alte König, daß Belgien auf sichselbst stehen könne. Er forderte ein Festungssystem. WieFrankreich diesen Schutz aufnahm, mögen die Worte van deWeyers zeigen: „Frankreich allein, das unsere Neutralität so-eben während des Krieges gedeckt hatte, wollte darin einen Aktdes Mißtrauens sehen. Die Pariser Presse . . . erging sich inden lebhaftesten Beschuldigungen 3 )."
Wir kommen zur fünften Krisis. Nach den Tagen, in denenzu Nikolsburg über den Frieden zwischen Österreich undPreußen verhandelt worden war, war es Kaiser Napoleon,der, nachdem er zunächst süddeutsches Gebiet verlangt hatteund von Bismarck abgewiesen worden war, den Vorschlagmachte, Belgien mit Frankreich zu vereinen. Das französischeStaatsoberhaupt machte diesen ihn bloßstellenden Vorschlag 4 )
2 ) Van de Weyer, Patria belgica 2, 353.
3 ) S. 356.
4 ) Diese Ansicht vertritt auch Van de Weyer S. 360.
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