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236 Zehntes und elftes Buch. Ende der Gesellschaft. Ihre Bedeutung. § 123
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in den Marktpreisen des Safrans spürte der Verbraucher doch aucheine Verschiebung des Wertes der aragonischen Münze. So wenigheute das Volk, ja die Gesetzgebung die Nöte des Kleinkaufmannswertet, so wenig durchschauten die Moralprediger des Mittelaltersdie verwickelten Bedingungen des Handels. Sie sahen das Empor-steigen glücklicher und tüchtiger Kaufleute, sie beobachteten abernur flüchtig den nieder brechenden Geschäftsträger. Geiler vonKaisersberg hat den glücklichen Emporkömmling geschildert, dererst in einer Wanne seinen Kram: Kämme und Spiegel, auf demJahrmarkte ausbietet. Dann will er ein Gädemli haben, wird auseinem Krämer ein Kaufmann und hält ein Haus. Er hört nicht auf,er sei denn in einer Gesellschaft. Noch hört er nicht auf, sonderntreibt es weiter. Er will eine Galea auf dem Meere haben. Also häufter sein Gut auf, und er gedenkt nicht seines Anfanges und vergißtauf sein Ende, auf Gott den Allmächtigen und auf seinen Tod. Erlügt nur deshalb, um viel Gut zu gewinnen. Aber Geiler schildertnicht die Gefahren der Warentransporte, des eigenen Lebens. DerLeineweber setzt sich durch sein Gewerbe nicht dem Gefängnisseund nicht dem Tode aus. Wir kennen aber die Erlebnisse von Lüt-fried und Eudolf Muntprat, wie Hannsen Wiß. Er weiß nicht, wieoft ein Geschäft Verlust brachte, er hat die Register böser oderzweifelhafter Schuldner nicht vor Augen, und er beachtet nicht dieVerluste, die der Wechsel der Politik plötzlich über ein Gelieger infremden Landen herbeiführten. Diese geruhsame Auffassung vondem Handel des Kaufmanns, von dem törichten Bestreben auf-zusteigen aus dem Stande, in dem man geboren war, ist ein Gemein-gut der allermeisten Theologen und wurde auch von Luther undZwingli geteilt. Sie sahen die Exzesse der Schieber und bezeichnetenals solche auch ehrenhafte Kaufleute, die niemals gegen Eecht undMoral glaubten gehandelt zu haben. Es stehen sich religiöse Sitten-prediger und religiöse Kaufleute gegenüber, wenn auch radikaleReformer und gewissenlose Spekulanten nicht fehlen.
Die Gesellschaften mit den Monopolen und den Trusts in Verbin-dung zu bringen lag nahe. Es war doch in der ersten Hälfte des15. Jahrhunderts kein Kaufmann allein so geldkräftig, daß er einMonopol — als etwa ein zufälligesAlleinauftreten auf einem Markte,dessen Bedingungen im Augenblick sehr günstig lagen — hätte er-reichen können. Ein erstrebtes Monopol war dem einzelnen un-möglich. Und auch später wurden sie von einzelnen Gesellschaften,häufiger noch von einem Zusammenschlüsse solcher getragen. Aberes gab Gesellschaften, die ein eigentliches Monopol nicht erstrebten.Die Ravensburger haben solche Tendenzen nur an zwei, höchstensdrei Stellen gehabt, aber erreicht haben sie es nie. Sie konnten dieheimische Leinwand nicht ganz an sich bringen; denn so viele Kon-kurrenten sie auch in ihre Reihen aufnahmen, es blieben immer solcheübrig, die über einen gefüllten Beutel verfügten, oder es sprangen
SB