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174 Neuntes Buch. Waren. III. Spezereien. Südfrüchte. 2. Kapitel. § 113
hat. 1 Das Verfahren des Baffinierens, d.h. das Kochen des Zucker-saftes unter Anwendung von Alkalien u. a. ist nicht erst im 15. Jahr-hundert von einem Venezianer erfunden, sondern ward in Ägyptenvon den Moslim längst angewandt und war wohl schon Jahrhundertehindurch in Valencia heimisch. Die Eaffinerie löste sich von demersten Standorte erst dann ab und wurde in holzreichere Länderverlegt, als die Wälder von Madeira ausgebrannt waren und andereAnbaugebiete ebenfalls das Brennmaterial nicht mehr ausreichendund billig liefern konnten. Erst etwa 1520 wanderte die Eaffinerienach Amerika.
In den Papieren werden vier Sorten unterschieden, und diese ent-sprechen der Eeihenfolge der Produktion. Der in der Mühle ge-wonnene Zuckersaft wurde gekocht, abgeschäumt, eingedickt undvon der Melasse (Syrup), die man ablaufen ließ, getrennt. Zucker,der einmal gekocht war, „di una cüta", war früher auch von derGesellschaft in Handel gebracht worden, aber man hatte mit ihmschlechte Erfahrungen gemacht; 2 begreiflich, denn ihn zu trocknenwar kaum möglich. Zucker, der zweimal gekocht war, heißt in denPapieren Mastures, Masturos, Masturasses. Auch für diesen Namenwie für trapig wird wohl der Arabist die Erklärung liefern.
In späterer Zeit wurden dem zweiten Sude regelmäßig Alkalienzugesetzt. Der so entstandene Zucker heißt um 1550 in Brasilienmascovado. Ich habe lange geschwankt, ob ich mastures oder mas-cures in den^Texten lesen sollte, in denen c und t nicht zu unter-scheiden; hätte ich diese Form gekannt, so würde ich freilich wohlmascures gedeutet haben. Ein anderer Name, namentlich in derApothekersprache, „tabarzeth", arab. „taburazad", bedeutet wohldasselbe.
Diese Sorte wurde von der Gesellschaft mit Erfolg geführt, wenner auch keineswegs weiß gewesen sein mag. Lippmann hat nun aufValencia schon eine technische Neuerung zurückgeführt, die wohlschon für die Zeiten der Gesellschaft anzusetzen sein dürfe, das Ein-decken der eingelegten Zuckermasse mittels Ton. Valencia war inder Kunst der Behandlung des Tons weit, weit voraus, die Töpferlieferten der Zuckerherstellung dann nicht nur die pyramidalenFormen für die Zuckerhüte, Ton beschleunigte dann auch wesentlichdie Eeinigung und machte schon nach dem zweiten Kochen dieWare handelsreif.
Die Gesellen brachten aber auch feinen Zucker, der dreimal ge-sotten war, in Handel, und nach einigen weiteren Süden entstanddann der helle, wie Alaun durchsichtige Kandiszucker. In seinemNamen begegnet uns dann ein persisch-arabisches Wort: Qad. 3
v. Lippmann hält die Kunst der Valencianer hoch, die alten ausarabischer Schule hervorgegangenen Zuckermeister hätten wohl
1 Auch in Italien wird die ganze Fabrikstätte trapetto genannt. 2 3, 89.3 In Barcelona 1372 unterschieden azucar candido und marftl (Elfenbein).