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Neuntes Buch. Waren. I. Webwaren 1. Kapitel. § 95
Die St. Galler Leinwat hatte einst in Spanien eine viel größereBolle gespielt, Hans Hinderofen schrieb 1478 von Valencia: „Eswill nicht mehr tun mit deutscher Leinwat, es sind 19 unter den 24Ballen unsers Lagers vor 3 Jahren gekauft worden! Was für ein Geldhegt Euch darauf. Wenn uns ein Kunde einen Ballen abkauft, someint, er tue uns einen Gefallen, wie wenn er ein Kind von uns insKloster nähme. Es hat nicht mehr die alte Gestalt zu Valencia wieeinst oder auch nur vor einem oder 3 Jahren." Hinderofen meinte,man solle 2 Jahre den Einkauf einstellen, dabei kamen aber überGenua ihnen neue 28 Ballen. 1 Die Hoffnung, daß durch den Kriegmit Karl dem Kühnen die Straße durch Frankreich geschlossen unddamit jede weitere Zufuhr abgeschnitten werde, erwies sich als falsch. 2Schließlich sah sich Hinderofen veranlaßt, mit Verlust zu verkaufen,was ihm einen scharfen Tadel zuzog; man wollte nun lieber dieserWare müßig gehen.
Im allgemeinen vermochte sich aber die feinere St. Galler Lein-wat noch wohl zu halten und der holländischen die Spitze zu bieten. 3
Saragossa war für die teuere Ware offenbar ein guter Markt unddort zog man auch den Verkauf auf der Messe von Barbastro inBetracht. 4 Valencia erbat sich 1480 ebenfalls die teureren Sorten. 5Die Gesellschaft erkannte sehr wohl, daß die Kosten für die feinereSorte genau dieselben waren wie für die groben. Man könnte alsoan der teuren Ware leichter nachgeben als an der groben. Die Ge-sellschaft bestellte gleichwohl recht viel grobe Waren. Aber nachGestalt der Dinge war auch die geringe Ware verkäuflich. 6 DerMarkt von Barcelona war klein geworden. 7
Die St. Galler Leinwat war regelmäßig in Ballen zu 20 oder 10Stück gebunden, so daß wir ein deutliches Büd gewinnen. DiepoldBucklin bestellte also für Valencia einen Jahresbedarf von 1200Stück, die Schläpferschen Transporte umfassen etwa 2240 Stück,das Lager in Valencia umfaßte 1478 480 Stück, 8 im März 1478kamen nach Valencia über Genua 28 Ballen = 560 Stück. Damalswollte die Gesellschaft für die drei spanischen Gelieger noch50 Ballen = 1000 Stück sammeln. Wieviel Ellen das Stück hielt,ist nicht sicher. Der Ballen zu 20 Stück enthielt 530 valencia-nische Ellen, rechnen wir für die Vorellen 30 ab, so ergibt sichfür das Stück 25 Ellen. Es scheint die Länge der Stücke30 St. Galler Ellen betragen zu haben. 9
1 3, 80. 110. 148. 2 3, 82. 3 3, 90. 4 3, 157. 164. 171. 192. Man hatte solche zu21—22 ,5, und brauchte die von 24 bis 40. ä 3, 188. 6 3, 11. 77. ' 3, 23: (14755 Ballen abgeladen, 1476 3), 3, 179 (1480 lag sie unverkauft). 3, 80. Man denktnoch an 10 Ballen (1478). 8 3, 80. 96. 8 Das ergibt sich aus unseren Papierenund damit stimmt Häne, Leinwandindustrie und Leinwandhandel im altenSt. Gallen 1899, ungefähr überein, der S. 11, 13 für ein Tuch (= 5 Stück) dieLänge von 130 und 100—135 Ellen angibt. Es sei auch auf die Abbildungeines St. Galler Leinwandmannes mit seinen Waren in „Eine kaufmännischeGesandtschalt nach Paris 1552—1553" (St. Gallen 1904) hingewiesen.
^Iffilk