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2 (1923)
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74
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Neuntes Buch. Waren. I. Webwaren. 1. Kapitel. § 95

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herzustellen. Es war also ein besonderer Webstuhl und ein geschickterWeber erforderlich. Die Zwillichweberei dehnte sich daher nichtauf dem Lande aus, wo sonst der Bauer in den Wintermonaten viel-fach Leineweberei betrieb. Welsche Leinwand ist wohl Hanflein-wand, in Freiburg i.Br. findet sich breit Walhentuch bis zum 16er, 1nach Gr. Aubin war sie schmäler und dichter gearbeitet. 2

Die Bohleinwand wurde alsdann ich rede hier von den ober-schwäbischen Gebräuchen einer Schau auf die notwendige Breite,die Zahl der Kettenfäden unterworfen und dann nach seiner Quali-tät bestimmt und der Art der Weiterbehandlung zugewiesen. Vonder Bohleinwand wurden die besten Stücke zum Bleichen bestimmt,sie hießen im gebleichten Zustande weiße. Die minder guten wurdenin die Farbe geschaut", d.h. sie wurden zum Färben bestimmt, unddamit sie gleichwohl nicht in Bleichware umgewandelt wurden,wurden sie in drei Stücke, in drei Schetter von gleicher Länge zer-schnitten. Minderwertige Ware wurde durch Zerschneiden in nochkleinere Stücke,Bletzen", auch für das Färben unbrauchbar ge-macht. Die gebleichten Stücke unterlagen noch der Weißschau, diegefärbten der Sehwarzschau. 3

In Oberschwaben wie südlich des Bodensees war das Spinnenauf dem Lande weit verbreitet Konstanz bevorzugte Garn ausdem Bregenzer Walde, Bheintal und Thurgau. Über den Garnbezugin den östlichen Bezirken Oberschwabens ist schon oben gehandelt. 4

Es ist längst erkannt, daß die Bavensburger Gesellschaft ihreHauptausfuhr durch die Leinwand bestritt, die in den Städten Kon-stanz, St. Gallen und Bavensburg sowie in deren Nachbarschaft ge-sponnen und gewoben wurde. Die Leinwatproduktion hat aber in denverschiedenen Städten einen ganz verschiedenen Weg eingeschlagen.Die oberschwäbischen Hanf leinwande sind gleich hier mit behandeltworden. 5

Die Konstanzer Leinwand hat in früherer Zeit die Führung ge-habt ; wir dürfen das daraus schließen, daß in Spanien die deutschenGewebe geradezu teles de Costanca oder schlechtweg Oostanzes

1 Zeitschrift f. Gesch. d. Oberrheins 9, 178. 2 Jahrb. f. Nat.-Ök. u. Statistik104, 598. 3 In Konstanz wurden nach der Ordnung von 1283 zu schmaleStücke in drei zerschnitten. Zeitschrift f. Gesch. des Oberrheins 4, 21. 4 1, 499 f.

5 Gleich hier gebe ich die Angaben des Barceloneser Zolltarifs von 1481 überdie Werte der Leinensorten, die für den Handel in Betracht kommen: Henne-gau: Aynaut de la pedra plegat per squena, 4 3 / 4 palms breit, 2 halbe Stück= 34 canes de Bare. Aynatus, 5 palmas breit, das Stück 8i#. Hennegau:Aynatus, 4 und mehr breit, das Stück Iti 10 ß. Deutsche, von schwarzemSiegel, gekräuselt, niedrigste Sorte, gewöhnlich das Stück = 28 canes, das Stück%'tl. Deutsche, St. Galler, Sengales von blauem Siegel, mittlere, das Stück§M. Deutsche, feine von gleicher Länge, das Stück 10 U. Alamanyes,tenyides, son nomenades Costances, que venen de flra (Jahrmarkt), la pessaval 10 ß (wohl verschrieben für 10 &). Holland, Orlanda fein, la cana = 15 ß. Holland, Orlanda mittlere, la cana = 13/8. Holland, Orlanda gewöhnliche,la cana = 10/8. Chalon, Xalo de lin, la corda = 1 U 2/8,