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54 Achtes Buch. Handelswege. Transportwesen. Versicherung. 2. Kapitel. §91
älteren Zeit Sluis, 1 später auch Middelburg auf Walcheren undAntwerpen selbst die benutzten Häfen waren.
Die ^Rechnungen wurden auch auf dem Landwege gesandt. 2
Die Gesellschaft bevorzugte den billigeren Transport auf demMeere im allgemeinen, doch gehen die wertvollen Genueser Warennach Flandern und umgekehrt meist auf dem Landwege, wie auchsonst für eilige Sendungen der Landweg vorgezogen wurde. DieSchiffahrtsverbindung war im atlantischen Verkehre im Wintervöllig unterbrochen, und auch im Mittelmeere fanden sich nurselten Schiffsgelegenheiten. Im Frühling gingen die Passadiendurch die Straßen von Gibraltar, im Spätsommer kehrten sie durchsie heim, doch fuhren gleichzeitig auch Schiffe in der umgekehrtenEichtung. 3
Eine sehr ernste Gefahr bildeten die Seeräuber. 4 Christen undMoslim wie alle Völker waren daran beteiligt, ausgesprochene See-räuber und solche, die irgendein Mäntelchen vorschützten. Vorihnen hüteten sich die Schiffe, indem sie zu mehreren zusammen„in Conserva" fuhren. Auch die Papiere der Gesellschaft reden oftvon den Piraten. Mehrmals hat sie durch Corsaren Schaden er-litten. Die kleineren Schiffe waren mehr gefährdet als die großen. 5Gegen diese Gefahr wie alle anderen, die den Schiffen drohten,schützte sich die Gesellschaft möglichst durch die Befolgung desoft gepredigten Grundsatzes, nicht zu groß auf einem Boden zusein, d. h. die Waren möglichst auf mehrere Schiffe zu verteilen. 6Man hütete sich auch vor Schiffen, die allzu weit umfuhren. 7
Für einen Gesellen, den Konstanzer Friedrich Grünenberg, liegenso viele Nachrichten über seine Meerfahrten vor, daß es sich wohllohnt, an der Hand derselben sein Leben und Treiben zu schildern. 8Es ist das das einzige Mal, daß wir einen Deutschen im Mittelalterauf dem Mittelmeer genau verfolgen können.
Am 6. Oktober 1475 kam er in Bouc auf die Gallea Venezian,die am gleichen Tage ,,Vela machte", absegelte. Am 11. kam sienach Barcelona, wo Friedrich ans Land fuhr. Am 15. erreichte dasSchiff den Grao von Valencia, erst am 17. verließ der Konstanzerdas Schiff und brachte eine Nacht in Valencia zu, wie er auch vom21. bis 23. dort blieb. Die übrige Zeit vom 18. Oktober bis zum16. November weüte er am Grao, mit Ein- und Abladen beschäftigt.Auf den beiden Galleen Capedain und Patrona waren zu Bouc78 Caps geladen worden, von ihnen gingen 12 bis Barcelona, derBest bis Valencia. Von Genua brachte das Schiff schon 25 Capsfür Valencia. Dem Patron hatte er für sich für je 6 Tage einenDukaten zu zahlen, für 9 Tage also iy 2 Dukaten = iy 2 U Valen-cianer Münze. In den 30 Tagen am Grao verzehrte er 3 U 6 ß. Fürdiese Fahrt ist Grünenbergs Ladebericht erhalten.
1 3, 59. 2 3, 106. 304. 3 3, 420. 4 3, 74. 82. 115. 146. 6 3, 413. 6 3, 57. 76,133. 7 3, 57. 296. 8 Vgl. 3, 229—235.