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2 (1923)
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22
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22 Achtes Buch. Handelswege. Transportwesen. Versicherung. 1. Kapitel. § 87

dann entweder nordwestlich abbiegend durch den Kraichgau vonDurlach bis Wiesloch die oberrheinische Tiefebene und damit BingenMainzFrankfurt oder von Heilbronn aus Miltenberg und denMain zu erreichen. Dieser Neckarweg führte durch die Lande derGrafen (dann Herzöge) von Württemberg, und je nach der poli-tischen Lage mußte er vermieden werden. Das war nach unserenPapieren der Fall.

Der Weg nach Nürnberg, der über Ulm ging, ist schon behandeltworden. 1

Die Wege nach dem Norden sind in unseren Papieren nur seltenberührt. Von Memmingen gingen in der späteren Zeit der Gesellschaftgroße Mengen von Barchent, Golschen nach Osten, vor allem nachWien. Für diese Eichtung war München die Station, wo die Warenauf Isarflöße gelegt wurden. Dort war also eine Kommissar nötigund vorhanden. Für den Verkehr in der Eichtung donauaufwärtsbeobachten wir, daß das Wiener Gelieger Packmaterial, Süber undGeld nach Nürnberg sandte. 2

Die heutige Schweiz war für die Gesellschaft ein wichtiges Durch-gangsland, dessen mittelalterliche Straßen wohl am besten unter-sucht sind. 3

Seitdem die Gesellschaft nicht mehr ein Gelieger in Venedig unter-hielt, hatten für sie die Tiroler Pässe Brenner, Eeschen-Scheideckund Arlberg keine Bedeutung mehr. Um so größere die Graubündner.Türe wechselreiche Geschichte habe ich darzulegen versucht. VonEavensburg aus benutzte man nicht Buchhorn zur Überfahrt überden See, sondern regelmäßig Lindau. Niemals finde ich, daß mandas Haupt des Sees umging, um nachBregenz die Waren zu bringen.In dem Eheindelta, dessen Gestalt ewigen Veränderungen unterlag,hielt der Lindauer Schiffer im Ende des 15. Jahrhunderts nie aufEheinegg, also auf das westliche Eheinufer zu, sondern stets landeteer in Fussach und die Waren kamen dann in dem Delta zwischendem gefährlichen Eheine und der fast noch schummeren BregenzerAach nach Feldkirch und gingen dann auf dem rechten Eheinuferüber die Luziensteige nach Ohur. Dort teilten sich die Wege: durchüberhatbstein zum Septimer, durch die Via mala zum Splügen undVogelsberg (S. Bernhardin). Dieser Paß begegnet nicht, trotz derscharfen Konkurrenz bediente man sich aber, wir wir sehen werden,der beiden anderen nebeneinander. Dann erreichte man das para-diesische Ohiavenna, die Schlüsselstadt, mußte dann zwischenCläven und Como über den See fahren, und gelangte nach Mailand.

Von den italienischen Handelswegen ist die Straße MailandPaviaTortona in allen Jahrhunderten unverändert gewesen. Dannaber konnte man westlich über den Paß La Eochetta oder über den

1 Oben 1, 466. 2 3, 456. 3 Ich verweise auf die Arbeiten von Öhlmann,Schulte, Meyer und nenne an allgemeinen Darstellungen nur Harry, Diehistor. Entwicklung der schweizerischen Verkehrswege, 1. Teil, 1911.

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