514 Sechstes Buch. Handel nach Landschaft. VI. Eidgenossenschaft. 2. Kap. § 83
werbe. Trotzdem ihn die städtischen Ämter bannten, betrieb erHandel nach Böhmen, Polen, Preußen, Italien und Prankreich undbesuchte auch die Messen zu Lyon, Genf und Prankfurt. 1
Jedenfalls war er ein bedeutender Mann; in Kaufmannschaftund Verwaltung gleich tüchtig. 2
1478 wurde Hermann Stettlinger als „unser Mann" zu Bern be-zeichnet. 3 1482 und 1484 war es vielleicht auch Benedikt Kramer(Zollbriefe).
An sonstigen Beziehungen der Gesellschaft zu Bern ist kein Mangel.1423 verlangte vor dem Gerichte zu Bern: „JörysBantz des frommenmannes Lütfritz Muntbratz von Oostentz werbender diener" vonHans von Herblingen, Bürger zu Thun, die Bezahlung von 34 „gul-diner schilten des künges slag von Prankrich", die er dessen SohnKristan seng „in welschen Landen zu sinen nöten verlüchen hett".*
Bei der weiten Entfernung Berns von den innerdeutschen Plätzenist es erklärlich, daß die Stadt zur Bezahlung sich der Hufe derBavensburger Gesellschaft bediente, obwohl in der älteren Zeit dieGesellschaft Diesbach-von Watt weithin Handel trieb.
1453 schuldete die Stadt dem Nürnberger Bürger Hans Müllerfür „zeug und salbetter" 100 fl, diesen Betrag entrichtete für sie„Hanss Illesun, Jossen Humpis gesellschafft diner". 6 Aber auchandere Quittungen hatte die Gesellschaft nach Bern gesendet. 61447 hatte Jos Humpis dem Läufer der in Ulm zur Beilegung desZüricher Krieges weilenden bernischen Gesandten, da er beraubtworden war, y 2 fl geliehen.'
Als 1473 Bern seinen Stadtschreiber Meister Thüring Frickartzum Papste nach Born entsandte, warb die Stadt bei der großen
1 Vgl. Am mann, Freiburg und Bern, S, 85. — Frickard in den Quellen zurSchweizergeschichte 1, 129 ff. Bernische Biographien 1, 116.
2 In dem St. Galler Säckelamtsbuch von 1433 liegt ein mir von Schelling mit-geteilter Brief von ihm von August 1431, gerichtet an einen Herrn Perchtoldüber einen Kauf von über 100 Scheiben „lunrisch" Wachs (um 15 fl 1 Ort), derKäufer hatte schon 200 Scheiben. Der Brief folgt einem anderen, der am Morgengeschrieben war, der Adressat kann also nicht weit weg gewesen sein. Ortsangabefehlt. Ich glaube, es handelt sich um osteuropäisches Wachs, und vielleicht gehörtder Brief nach Nürnberg. Der Brief ist unterzeichnet Hans Frank. Man könnteauf die Vermutung kommen, Johannes Frank sei mit dem Diener der Gesellschaftin Spanien, Johannes Franchus, identisch, den ich für einen Fry ansehe. Dafürwürde sprechen, daß 1475 Bern an den König von Frankreich schreibt, einige derBavensburger Gesellschaft seien ihr durch Bürgerrecht verbunden (Heyd 68).Es gab also Gesellen in Bern. Doch das festzustellen, müßte man Fränklis Lebengenauer untersuchen.
3 3, 201. 4 Das Gericht wies ihn ab, er könne aber seine Ansprüche nach demTode des Hans aus seiner Hinterlassenschaft befriedigen. Bern, Staatsarchiv, ObereSpruchbücher A 367. 4. März 1423, mitgeteilt von Ammann. 5 Quittung, Staats-archiv Bern, Varia III. Nürnberg, 28. Mai 1453, mitgeteilt von Ammann. 6 3, 491.Über Hans Müller und Bern vgl. auch Schulte 2, Nr. 298. 7 Abrechnung PeterSchopfers, der unter den Gesandten war, Staatsarchiv Bern. Unnütze Sachen 51/27,mitgeteilt von Ammann.